Stand: 10.09.2020 19:39 Uhr

BUND: Endlager Gorleben wäre geologisch unsicher

Geologisch ungeeignet und noch dazu politisch verbrannt: So bezeichnete der Vorsitzende der Umweltschutzorganisation BUND, Olaf Bandt, am Donnerstag den Standort Gorleben. Er fordert deshalb, dass das Lager aus dem Verfahren zur bundesweiten Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll ausgeschlossen werden muss. Ein vom BUND in Aufrtrag gegebenes Papier, das geologische Studien und Gutachten auswertet, kommt zu dem Ergebnis, dass der Salzstock Gorleben mehrere Ausschlusskriterien erfüllt. So liege der Salzstock in einer aktiven Störungszone, in der bis in eine Tiefe von 30 Kilometern Bewegungen stattfinden, was nicht sein dürfe.

Gorleben auch nach Milliarden-Investitionen nicht sicher?

Außerdem: Über großen Teilen des Salzstockes fehlt demnach ein schützendes Deckgebirge - was aus Sicht des BUND ebenfalls ein Ausschlusskriterium sein sollte. Auch die bisher schon in Gorleben investierten Gelder, welche die Umweltschützer auf 1,9 Milliarden Euro bezifferten, würden bestehende Sicherheitsmängel nicht aufwiegen.

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Bürger zweifeln an ergebnisoffener Standortsuche

Politisch sei Gorleben laut BUND ohnehin "verbrannt". Nach Ansicht der Umweltschützer würde der Standort im Wendland als potenzielle "Rückfalloption" ständig über dem neuen Auswahlverfahren schweben und das Vertrauen der Bürger in dessen Ergebnisoffenheit untergraben.

Bundesamt: Auswahl nach gleichen Kriterien

Ein Sprecher des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hält dagegen. Das gesetzlich festgelegte Verfahren stelle sicher, dass "alle in Deutschland existierenden geologischen Formationen nach den gleichen Kriterien zu bewerten sind". Die Aufgabe liege zunächst bei der mit der Suche beauftragten Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Diese will ihren ersten Zwischenbericht am 28. September veröffentlichen. Umweltminister Olaf Lies (SPD) rechnet damit, dass mehrere Regionen in Niedersachsen in diesem Bericht genannt werden könnten.

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Dieses Thema im Programm:

Regional Lüneburg | 10.09.2020 | 13:30 Uhr

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