Stand: 08.09.2016 08:13 Uhr

Wundertüte Kommunalwahl: Wie schneidet die AfD ab?

von Carsten Wagner

Eine Kommunalwahl als Wundertüte: Zwar weiß die AfD seit vergangenem Sonntag sehr genau, wie groß ihre Basis in Mecklenburg-Vorpommern ist. Im Nachbarland Niedersachsen allerdings ist völlig unklar, wo die Partei steht. Die Kommunalwahl am 11. September ist der erste Gradmesser für die Niedersachsen-AfD. Doch unterscheidet sich eine Kommunalwahl klar von einer Landtagswahl. Kann die Partei auch in Kreisen, Städten und Gemeinden Protestwähler mobilisieren?

AfD setzt in Niedersachsen auf die Karte Asylpolitik

Klar ist: Die AfD setzt auch bei der Kommunalwahl auf ein Thema, das sie in die Landesparlamente befördert hat: die Asyl- und Einwanderungspolitik. Ein Thema, das vor allem auf der Bundesebene angesiedelt ist. Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hatte die Partei damit erneut Erfolg. 60 Prozent der AfD-Wähler haben ihre Entscheidung mit der Bundespolitik begründet, 54 Prozent von ihnen mit der Flüchtlingsfrage.

Wahlforscher: "Protest eher männlich"

Genau wie bei früheren Wahlen fällt auf: Deutlich mehr Männer als Frauen wählen die AfD. "Protest ist eher männlich", fasst der Meinungs- und Wahlforscher Richard Hilmer prägnant zusammen. "Das beobachten wir immer wieder. Das galt in der Vergangenheit nicht nur für die Wahl rechter Parteien, sondern genauso für die Linken und etwa die Piraten - und ebenso damals für die Grünen."

Zukunftsangst beherrscht die AfD-Klientel

Was viele AfD-Wähler außerdem eint, ist die Angst vor der Zukunft. Und zwar nicht nur die Angst derer, die ohnehin finanziell schlechter gestellt sind als andere. In Mecklenburg-Vorpommern wählten zwar wieder viele Arbeiter (33 Prozent) und Arbeitslose (29 Prozent) die Partei, erfolgreich war sie aber auch bei Selbstständigen (27 Prozent). Dahinter stecke die Angst, dass sich das Blatt schon bald zum Schlechten wenden könnte, so Meinungsforscher Hilmer.

Punktet Partei mit bundespolitischem Thema?

Nützen könnte es der AfD, dass in Niedersachsen diesmal vergleichsweise wenige Direktwahlen stattfinden. So gibt es nur in Celle eine Oberbürgermeisterwahl. Je weniger es bei einer Kommunalwahl um das Vertrauen in einzelne Personen gehe, desto eher könne eine Partei mit Protestpositionen punkten, sagt Richard Hilmer. Eigentlich bundespolitische Themen stächen dann besonders hervor, weil sich für die kommunalen Fragen traditionell weniger Menschen interessierten.

Ratlose AfD-Vorsitzende

Der kommende Sonntag wird nun zeigen, ob die Wut über Merkels "Wir schaffen das!" und die Ängste vor einer ungewissen Zukunft die Partei auch in die Kommunalparlamente tragen können. Auf die Frage, was die niedersächsische Kommunalwahl für die kommenden Landtags- und Bundestagswahlkämpfe bedeute, antworten die örtlichen Vorsitzenden der AfD zumindest in Stadt und Region Hannover ratlos. Das werde man danach sehen, erst einmal stehe jetzt der Kraftakt Kommunalwahl im Vordergrund, alles andere komme später.

Weitere Informationen

Niedersachsen hat gewählt

Sonntag, der 11. September, ist Wahltag in Niedersachsen. Reportagen und Informationen zu den Wahlen auf Kreisebene und den Direktwahlen finden Sie bei NDR.de. (07.09.2016) mehr

Welche Parteien treten bei der Kommunalwahl an?

Neben den fünf etablierten Parteien wie SPD und CDU stehen am 11. September 20 weitere Parteien zur Wahl. Ein Überblick über die Parteienlandschaft in Niedersachsen. (02.09.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 07.09.2016 | 19:30 Uhr

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