Stand: 22.07.2019 10:31 Uhr

Zurück ins Gefängnis - auf eigenen Wunsch

Freiwillig zurück hinter Gitter? Für einige ehemalige Häftlinge ist das Gefängnis schlichtweg die bessere Alternative. (Themenbild)

Obwohl sie ihre Strafen verbüßt haben, sind im vergangenen Jahr zehn ehemalige Häftlinge in Niedersachsens Gefängnisse zurückgekehrt. Die Gründe dafür sind laut Justizministerium vielfältig. Mal habe eine Wohnmöglichkeit gefehlt, andere seien Alkoholiker, hätten Rückfälle erlitten - und damit ein höheres Risiko gehabt, erneut straffällig zu werden. "Die Betroffenen wurden deshalb zeitweise auf freiwilliger Basis wieder aufgenommen", sagte ein Ministeriumssprecher. 2017 gab es den Angaben zufolge 14 Fälle, in denen Häftlinge in den Justizvollzugsanstalten (JVA) blieben oder dorthin zurückkehrten - meist aber nur für einige Wochen.

Alptraum Gefängnis oder nur geringeres Übel?

Wenn sich Ex-Häftlinge in prekären Situationen befänden, sei die Rückkehr in eine JVA "meist nur bedingt freiwillig", sagte der Sozialarbeiter Peter Thomsen von der Anlaufstelle für Straffällige in Hannover. Für manche Menschen sei ein Gefängnisaufenthalt eine echte Alternative, auch wenn er für viele Menschen wie ein Alptraum klinge. Einige gingen auch zur Erholung, zur Genesung oder zur Entgiftung zurück hinter Gitter. Denn anders als auf der Straße ist in der JVA eine medizinische Versorgung verfügbar. "Das Gefängnis ist auch ein Schutzraum", sagte der Sozialarbeiter. Thomsen hat auch beobachtet, dass Obdachlose manchmal versuchen, ihren Haftantritt in den Winter zu verschieben, um eine warme Bleibe zu haben.

Manche wählen Haft statt Geldstrafe zu zahlen

Ins Gefängnis gingen auch diejenigen, die eine Geldstrafe nicht zahlen könnten oder wollten, sagte Thomsen weiter. Diesen Menschen werde zwar gesagt, dass ihre Haft vermeidbar sei. Doch viele kümmere das nicht, auch wenn die Zeit im Gefängnis ihre Lage nicht verbessere, so der Sozialarbeiter.

Länder ermöglichen Aufnahme per Gesetz

In Niedersachsen können Ex-Häftlinge laut Paragraf 106 des Justizvollzugsgesetzes (NJVollzG) vorübergehend wieder in einer Justizvollzugsanstalt aufgenommen werden, wenn ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft gefährdet ist oder auf diesem Weg weitere Straftaten verhindert werden können. Der Betroffene kann dies jederzeit widerrufen. Neben Niedersachsen haben unter anderem Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen die Möglichkeit einer "Aufnahme auf freiwilliger Grundlage" geschaffen.

Weitere Informationen

Gewalt in Gefängnissen hat zugenommen

In niedersächsischen Gefängnissen ist die Zahl von Gewaltdelikten angestiegen. Dies betrifft sowohl Angriffe unter Gefangenen als auch von Häftlingen gegen Wärter. (21.10.2018) mehr

Häftlinge bekommen mehr Zeit für Besuch

Gefangene haben künftig gesetzlich mehr Anspruch auf Besuch. Das hat der Landtag beschlossen. Häftlingen soll auf diese Weise die Resozialisierung erleichtert werden. (13.06.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.07.2019 | 08:00 Uhr