Stand: 28.12.2017 15:51 Uhr

Zahl der Wolfsrisse verdoppelt sich

Für Niedersachsens Schaf- oder Ziegenhalter ist der Wolf eine zunehmende Bedrohung. 2017 hat sich die Zahl der von Wölfen getöteten Nutztiere verdoppelt: Laut einer Sprecherin des Wolfsbüros des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wurden in diesem Jahr 355 Weidetiere gerissen. Im Jahr zuvor waren es 178 gewesen. Bei insgesamt 232 Angriffen, von denen ein Großteil eindeutig Wölfen zugeordnet werden konnten, wurden vor allem Schafe getötet. Nur bei 33 Angriffen war der Wolf nicht der Verursacher, in anderen Fällen ist es unklar. Parallel hat sich auch die Zahl der Wolfsrudel vergrößert: Zählte man 2016 noch zehn Rudel in Niedersachsen, so waren es in diesem Jahr schon mindestens 14. Die Landesjägerschaft geht dabei von bis zu 150 Tieren aus.

Schnellere Hilfe für Weidetierhalter

Wegen dieser Entwicklung fordert Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) noch klarere Regeln im Umgang mit den Tieren und kündigt zudem an, den Schadenersatz für Weidetierhalter künftig schneller und effektiver zu gestalten. So könnte künftig die Rissbegutachtung als Standardverfahren etabliert werden und nur noch in Zweifelsfällen auf die DNA-Analyse zurückgegriffen werden, um herauszufinden, ob Wölfe für die Angriffe verantwortlich sind. Die Förderung zur Anschaffung von Schutzzäunen wurde bereits auf ganz Niedersachsen ausgeweitet und soll künftig auch Hobby-Tierhaltern zur Verfügung stehen. Auch beim Umgang mit dem Wolf selbst fordert der Minister ein "konsequentes, aber rechtssicheres Handeln".

Räuber sollen geschossen werden dürfen

So sei laut Lies beim Artenschutz für den Wolf eine Phase erreicht, bei der nicht das einzelne Tier oder Rudel entscheidend sei, sondern die Akzeptanz der Gesellschaft. "Meine Haltung ist klar: Die Sicherheit der Menschen hat oberste Priorität", sagt Lies. Wenn Wölfe die Scheu vor dem Menschen verlieren und dadurch zur Gefahr würden, müssten sie schnell "entnommen" werden. Das bedeute entweder, Tiere lebend zu fangen und sie in ein Gehege zu bringen oder auch die "letale Entnahme" - also der Abschuss. Auch bei Wölfen, die wiederholt Herdenschutz-Maßnahmen überwinden, müsse man künftig reagieren, so der Minister: "Wenn es immer wieder an derselben Stelle trotz eines Zauns zu Wolfsrissen kommt, dann muss es auch möglich sein, die Tiere zu entnehmen."

Wolfsfreie Regionen rechtlich schwierig

Doch dafür gibt es rechtliche Hürden: Der Wolf ist in Deutschland streng geschützt und nur die Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise können ausnahmsweise die "Entnahme" von Tieren genehmigen. Schwierig verhält es sich auch bei wolfsfreien Zonen, die Lies in einem Gespräch mit Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) in Aussicht gestellt hatte. Nicht nur, weil ein Wolf in einer Nacht gute 60 Kilometer zurücklegen kann. Auch rechtlich seien sie problematisch. Lies will in Brüssel nun Gespräche über entsprechende Möglichkeiten führen.

Mehr Wolfsbüros?

Auch beim Beobachten von Wölfen - dem sogenannten Monitoring - strebt Minister Lies Verbesserungen an. Ziel sei, künftig ein Tier pro Rudel mit einem Sender zu versehen. Auch die Wölfe bei Cuxhaven und Goldenstedt, die wiederholt Weidetiere angegriffen hatten, sollen mit Sendern ausgestattet werden, um ihr Verhalten zu beobachten. Zusätzlich sollen die Wolfsberatungsstellen mehr Personal bekommen und es könnte neue, regionale Wolfsbüros in Niedersachsen geben.

Keine Jagd auf Wölfe

In das Jagdrecht soll der Wolf nach dem Willen von Lies zunächst aber nicht aufgenommen werden. "Das macht jetzt keinen Sinn, weil der Wolf dann derzeit das ganze Jahr lang Schonzeit hätte", so der Umweltminister. Eine Aufnahme wäre demnach nur eine Alibi-Lösung. Der Wolf sei in Niedersachsen heimisch geworden, sagt Lies: "Jetzt müssen wir lernen, nebeneinander zu leben."

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Hallo Niedersachsen | 28.12.2017 | 19:30 Uhr

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