Wunstorf: Letzte Soldaten aus Afghanistan zurückgekehrt

Stand: 30.06.2021 20:54 Uhr

Die letzten in Afghanistan stationierten Soldaten der Bundeswehr sind am Mittwoch wieder in Deutschland eingetroffen. Drei Maschinen der Luftwaffe landeten auf dem Stützpunkt in Wunstorf bei Hannover.

Nach Angaben der Bundeswehr waren insgesamt 264 Männer und Frauen an Bord der drei Flugzeuge. Damit endet einer der längsten und auch gefährlichsten Einsätze für die deutschen Streitkräfte. Die letzte deutsche Maschine hatte am Dienstagabend den afghanischen Luftraum um 21.24 Uhr verlassen. Camp Marmal, einst größter Bundeswehr-Stützpunkt außerhalb Deutschlands, war zuvor geräumt und an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben worden. Die Soldaten wurden mit Militärmaschinen aus dem Feldlager in Masar-i-Scharif im Norden des Landes ausgeflogen.

Bundeswehrsoldaten sind in Kundus in Afghanistan im Feldlagers Kundus zum Tag der deutschen Einheit angetreten. (Archivbild vom 03.10.2013) © dpa bildfunk Foto: Michael Kappeler
AUDIO: Kommentar: Viel zu tun nach dem Bundeswehr-Abzug vom Hindukusch (3 Min)

Befehlshaber lobt Soldaten nach Rückkehr

Nach einer nächtlichen Zwischenlandung in der georgischen Hauptstadt Tiflis flogen die Maschinen am Mittwoch weiter Richtung Deutschland. In Wunstorf gab es nach der Landung aufgrund der Corona-Pandemie kein großes militärisches Zeremoniell zum Empfang. Der Auftrag sei in herausragender Weise erfüllt worden, sagte der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Erich Pfeffer, bei einem Rückkehrerappell. "Sie haben sich nicht beirren lassen von unklaren Lagen, häufigen Änderungen der Rahmenbedingungen und auftretenden Friktionen."

Wehrbeauftragte fordert kritische Bilanz

Die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Eva Högl (SPD), dankte den Soldaten ebenfalls und sprach von einem "bewegenden Moment". Der Einsatz habe die Bundeswehr geprägt. Zugleich forderte sie den Bundestag auf, eine kritische und ehrliche Bilanz zu ziehen. Deutschland solle sich weiter in Afghanistan engagieren, etwa im Bereich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung, in der Bildungsarbeit oder bei der Ausbildung der Sicherheitskräfte.

Verteidigungsministerin: "Historisches Kapitel"

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte den Einsatz in Afghanistan bereits am Dienstag gewürdigt. "Nach fast 20 Jahren Einsatz haben heute Nacht die letzten Soldatinnen und Soldaten unserer Bundeswehr Afghanistan verlassen", sagte die CDU-Politikerin. Ein historisches Kapitel gehe zu Ende, ein intensiver Einsatz, der die Bundeswehr gefordert und geprägt und bei dem sie sich im Kampf bewährt habe.

Einsatz kostete 59 Soldaten das Leben

Der Afghanistan-Einsatz, der im Januar 2002 begann, war eine der bisher gefährlichsten Auslandsmissionen der Bundeswehr. 59 deutsche Soldaten verloren in Afghanistan ihr Leben, 35 bei Anschlägen oder in Gefechten. Mehr als zwölf Milliarden Euro kostete der Einsatz, der ursprünglich der Friedenssicherung dienen sollte und dann zum Kampfeinsatz gegen die aufständischen Taliban wurde. Zuletzt war der Kernauftrag der NATO-Truppe die Ausbildung afghanischer Streitkräfte. Über die Jahre waren insgesamt rund 150.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten zeitweise am Hindukusch stationiert.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.06.2021 | 15:00 Uhr

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