Stand: 25.08.2020 11:52 Uhr

Wo die Maske überall Pflicht werden könnte

Ein Schüler betrachtet im Unterricht seine Schutzmaske, die er in der Hand hält. © picture alliance Foto: Robert Michael
Osnabrück empfiehlt das Tragen von Masken im Unterricht. (Themenbild)

Das Ende der Sommerferien bedeutet nicht nur den Start in das neue Schuljahr, sondern auch die Rückkehr vieler Niedersachsen in den Alltag. Kurzum: Es wird voller in Büros, auf den Straßen, in Geschäften, Restaurants, Bussen, Bahnen, Zügen. Mit Blick auf die steigenden Corona-Infektionszahlen sorgen sich die Niedersachsen zunehmend und die Bedeckung von Mund und Nase wird scharf diskutiert. Am Dienstagmorgen sprachen die Osnabrücker Landrätin Anna Kebschull (Grüne) und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) die Empfehlung zum Tragen einer Maske im Unterricht aus. Zumindest in den ersten zwei Wochen, um möglichen Ansteckungen durch Reiserückkehrer vorzubeugen, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet.

VIDEO: Corona: Kommt die Maskenpflicht am Arbeitsplatz? (7 Min)

Ärztekammer fordert Maskenpflicht im Unterricht

Eine landesweite Maskenpflicht im Unterricht wird es laut Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) voraussichtlich nicht geben. Damit sind viele Menschen im Land nicht einverstanden, landesweit wird gerade der Ruf nach einer Maskenpflicht zum Schulstart lauter. "Wenn die Kinder und Jugendlichen ungeschützt in die Schulen gehen, dann rechne ich mit verheerenden größeren Ausbrüchen", sagte Thomas Buck, Vorstandsmitglied der Ärztekammer Niedersachsen.

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Kultusminister Tonne verteidigt Maskenverzicht

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Kinder auch ohne Symptome Überträger

Es sei eine Illusion zu glauben, dass nur gesunde Kinder zur Schule gehen. Nur ganz wenige junge Menschen hätten nach einer Infektion mit dem Coronavirus schwere Symptome. "Die meisten Kinder und Jugendlichen werden symptomfrei sein, aber sie können Überträger sein", sagte Buck, der selbst Kinder- und Jugendmediziner ist. Buck plädierte für eine zunächst zeitlich beschränkte Maskenpflicht für Schüler und Lehrer von der Grundschule an. Auch Arztkollegen hätten sich fassungslos gezeigt, dass zwar auf engen Fluren, aber nicht im Unterricht Masken getragen werden sollen, sagte Buck. An Schulen in Nordrhein-Westfalen gibt es dagegen bis zum 31. August eine Maskenpflicht im Unterricht. Ausgenommen sind nur Grundschulen. "Am gefährlichsten sind die ersten zwei bis vier Wochen nach den Ferien", sagte Buck.

Althusmann offen für Maskenpflicht am Arbeitsplatz

Abseits der Schulen drängt sich die Maskenpflicht für viele förmlich auf - nämlich überall dort, wo nicht immer ein sicherer Abstand eingehalten werden kann. "Bei weiter steigenden Zahlen müssen wir darüber nachdenken, die Maskenpflicht gegebenenfalls auch auf den Arbeitsplatz auszuweiten, wenn wir damit Schließungen und einen Lockdown verhindern können", sagte Bernd Althusmann (CDU), Niedersachsens Wirtschaftsminister.

Die Meinungen darüber gehen auseinander: Manche Unternehmen haben Hygienekonzepte, die etwa das Tragen einer Maske vorschreiben, wenn Mitarbeiter zum Beispiel auf Fluren unterwegs sind. Im Einzelhandel kann die Maske auch Barriere bei einer Beratung sein, manche andere sehen ihre Bewegungsfreiheit und Atmung beeinträchtigt.

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Ein Mann hält sich eine Maske vor das Gesicht. © Brilliant Eye / photocase.de Foto: Brilliant Eye / photocase.de

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Unternehmen sollen Kunden auf Maskenpflicht hinweisen

Verpflichtend ist der Mund-Nasen-Schutz bereits in öffentlichen Verkehrsmitteln, so steht es in der Corona-Verordnung des Landes. Diese soll laut NDR 1 Niedersachsen klarer werden. Demnach sollten alle Verkehrsbetriebe wissen, wie sie mit der Maskenpflicht umzugehen hätten, deshalb solle die Vorgabe in der neuen Verordnung konkretisiert werden, sagte Oliver Grimm, Sprecher des Sozialministeriums. Unter anderem sollen die Verkehrsbetriebe in Niedersachsen aktiv für die Maskenpflicht werben, ihre Kontrolleure sollen Fahrgäste ohne Maske persönlich ansprechen. Wer sich weigert, eine Maske aufzusetzen, bei dem müssten "bei Bedarf erforderliche Gegenmaßnahmen ergriffen werden", heißt es in dem Entwurf.

Regelmäßige Durchsagen in Bussen

Für viele Verkehrsbetriebe in Niedersachsen sind die neuen Vorgaben allerdings bereits jetzt schon Alltag. In Oldenburg zum Beispiel werden nur Fahrgäste mit Maske mitgenommen, ein Schal oder ein hochgezogenes T-Shirt reichen dabei nicht. Auf Bildschirmen und Plakaten werde auf die Maskenpflicht hingewiesen, außerdem gebe es regelmäßige Durchsagen in den Bussen, sagte die Sprecherin der Verkehrsbetriebe, Jacqueline Päpke.

Maskenverweigerer: Bußgelder bis 150 Euro drohen

Die üstra in Hannover handelt ähnlich. Sie hat seit zwei Wochen zusätzlich rund 100 Kontrolleure im Einsatz, die darauf achteten, dass die Maskenpflicht konsequent eingehalten werde, sagte Sprecherin Katja Raddatz. Sollten die neuen Vorgaben kommen, wie vom Land geplant, seien die Verkehrsbetriebe "sehr gut vorbereitet".

Voraussichtlich von Ende nächster Woche an kann bei Verstößen in Bussen und Bahnen ein Bußgeld von 150 Euro kassiert werden. Noch sieht der Bußgeldkatalog für Maskenverweigerer in Niedersachsen 20 Euro Strafe vor.

 

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