Stand: 01.10.2019 12:00 Uhr

Wenn ich OB werde ... Bruno Adam Wolf

Bruno Adam Wolf ist der Kandidat der Piraten bei der OB-Wahl in Hannover.

Die Wahl rückt näher und zehn Kandidaten treten an: Am 27. Oktober wählen die Hannoveraner einen neuen Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin. NDR.de hat allen Kandidaten im Vorfeld der Wahl einen Fragebogen mit sechs Fragen zugeschickt. Lesen Sie hier die Antworten des Kandidaten Bruno Adam Wolf (Piraten) zu den Themen Zukunft des Ihme-Zentrums, zur umstrittenen Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas und den hohen Feinstaubwerten in der Stadt.

Die Stadt ist mit den letzten Investoren für das marode Ihme-Zentrum regelmäßig auf die Nase gefallen. Was erwarten Sie von dem neuen Investor?

Ich erwarte, dass der Großeigentümer wirklich investiert und seinen gemachten Versprechungen nachkommt, die Verträge mit der Stadt Hannover zu erfüllen. Das bezieht sich auf die Fertigstellung der Fassade entlang der Blumenauer Straße, die Herstellung der angemieteten Fläche und die Vermietung weiterer Flächen, was in Gänze eine Belegung von einem Drittel der Gewerbeflächen ausmacht. Und ich erwarte, dass er die restlichen rund 65.000 Quadratmeter ebenso herstellen wird und dafür ein nachhaltiges Konzept vorlegt. Dauerhaft muss das Ihmezentrum ein lebendiger Teil der Stadtkultur werden und auch das Drumrum muss neu entstehen. Auf der Ihme soll ein Modell für eine neue Wasserkultur in Hannover entstehen. Schwimmende Inseln, wie die von Joy Lohmann im Maschteich mit Platz für Schüler und in Zusammenarbeit mit dem Schulbiologiezentrum der Landeshauptstadt und dabei Gastronomie und Promenaden. Das Ihmezentrum muss attraktiv werden!

Hannover will Kulturhauptstadt werden und nimmt dafür Millionen Euro in die Hand, es gibt aber drängendere Notstände in dieser Stadt. Finden Sie, dass das die richtige Priorität ist?

Ja, ich unterstütze die Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 von Anfang an auch im Rat, weil Impulse zur Entwicklung der Stadt auch sehr stark von der Identität abhängen. Unsere Stadt ist lebendig, aktiv und verkauft sich weit unter ihrem Wert. Das wird mit der Kuturhauptstadt anders. Wir werden daraus ein Projekt für alle Hannoveranerinnen und Hannoveraner machen und die Stadt(kultur) wird danach eine andere sein. Hannover wird einen neuen Platz unter Europas Städten bekommen. Das ist auch für unsere wirtschaftliche Entwicklung von großer Bedeutung. Parallel müssen wir als Teil davon aber auch unsere sozialen Standards weiterentwickeln. Ich werde nicht dulden, dass wir auch nur einen Menschen auf den Straßen der Stadt leben haben! Und auch ökologische Standards werden da eine große Rolle spielen. 

Hannover liegt bei den Feinstaubwerten über dem Limit, bisherige Maßnahmen bringen offenbar keinen Erfolg. Wie sieht Ihre Lösung aus?

  • Förderung der E-Mobilität,
  • weg von der Vorherrschaft der Verbrennerfahrzeuge,
  • "shared riding"-Konzepte und Verminderung der Fahrspuren samt gesperrter Innenstadt bei bedenklichen Luftwerten,
  • Einsatz für den ticketlosen Nahverkehr und generell Fokus auf ÖPNV,
  • fahrradfreundliche Stadt mit Solarradwegen und Fahrradschnellwegen samt Fahrradparkhäuser
  • Duschen mit Umkleiden in der Verwaltung für verschwitzte Fahrradfahrer
  • mehr Home-Office-Jobs in der Verwaltung, um Pendlerverkehre zu reduzieren und Arbeitszeitmodelle freier zu gestalten.

Viel zu wenig Wohnraum und ständig steigende Mietpreise. Wie wollen Sie diese Probleme ganz konkret lösen?

  • Stammkapitalaufstockung bei "HANOVA Wohnen" mit gegenwärtigen fast kostenlosen Krediten.
  • Weg von der schwarzen Null.
  • Stadt muss selber bauen und einen Quadratmeterpreis von 5,50 Euro analog Wien für geförderten Wohnraum erreichen.
  • Neue Baugebiete erschließen mit der Region Hannover und die Verkehrsversorgung adäquat sicherstellen.
  • Bahnen nach Hemmingen bis Pattensen weiterführen, über die Wasserstadt bis Seelze, und ähnliche Infrastrukturprojekte mit der Region gemeinsam durchführen.
  • Aufbauen von eingeschossigen Bauten wie Garagen oder Supermarktgebäuden.
  • Nutzung von leerstehenden Wohnungen und Gebäuden, notfalls mit Sanktionen gegen die Eigentümer.
  • Verbot von AirBnb und ähnlichen Modellen für die ausschließliche Nutzung von Wohnungen zu diesem Zweck.
  • Ich werde mich für eine gesetzliche Änderung der Nutzung von Kleingärten zu Wohnzwecken beim Bund einsetzen.
  • Freigabe von Kanälen und anderen aufgelassenen Wasserläufen für die Entstehung von Wohngebieten auf dem Wasser mit Hausbooten zusammen mit der Unteren und Oberen Wasserbehörde und dem Wasser- und Schifffahrtsamt samt Infrastruktur wie Anschluss an die Kanalisation, Strom und Wasser und Stegen auch als Teil einer Erweiterung der Stadtkultur.
  • Ein Projekt wie das "Platzprojekt" in der Fössestrasse als "Wohnprojekt" mit mobilen Wohneinheiten auf städtischen Brachflächen zur schnellen Beendigung der Obdachlosigkeit für Übergangszeiträume von bis zu drei Jahren. Das wird mit mir als OB schnellstens realisiert!

Die Rathausaffäre hat Hannover bundesweite Negativ-Schlagzeilen gebracht und Vertrauen bei Bürgerinnen und Bürgern sowie Mitarbeitenden beschädigt. Welche Strukturen wollen Sie im Rathaus ändern, um so etwas künftig zu verhindern?

Transparenz und eine Informationsfreiheitssatzung für die Landeshauptstadt. Jeder Bürger kann jederzeit alle nicht datenschutzrelevanten Vorgänge in der Verwaltung live einsehen. Alle wichtigen Besetzungen und Posten müssen in runden Tischen gemeinsam mit dem Personalrat beschlossen und diskutiert werden. Ein offenes Rathaus und unabhängige Ausschreibungen ausschließlich nach fachlichen Kriterien ohne Parteibuchpräferenzen wird unter mir Realität! Regelmäßige Evaluationen der Personalsituation bei den höchsten Einkommensstufen werden Standard. Dazu werden neue Werkzeuge eingesetzt.

Lange Wartezeiten für Kita-Plätze, bei der Kfz-Anmeldung und bei Bauanträgen: Welche Ideen haben Sie, um hier künftig Abhilfe zu schaffen?

Das Bauamt wird neu strukturiert. Der Baudezernent oder die Baudezernentin wird ein qualifizierter Architekt mit Erfahrung im Bereich Stadtentwicklung und mit neuen Ideen zum Bild der Stadt, auch als Quereinsteiger, sein. Alle Vorgänge werden digitalisiert und können von zu Hause aus über digitale Kanäle eingereicht und bearbeitet werden. Dazu werde ich sofort einen runden Tisch mit Verwaltung, Politik, Personalrat, Bürgervertretern und Experten aus der Freien Wirtschaft und der Wissenschaft plus unserer IT bilden! Wir brauchen neue Impulse von außen und endlich effektive Strukturen für einen Umbau der Verwaltungsabläufe! Das gilt für Kita-Plätze genauso wie für Kfz-Anmeldung und alle anderen Bereiche der Verwaltung. Digitalisierung, Verschlankung und mit weniger Bürokratie belasteter guter Kundenservice! Wir haben die fähigen Mitarbeiter, nun müssen wir nur noch die Strukturen schaffen! Das wird kurzfristig angegangen!

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.10.2019 | 08:00 Uhr

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