Drei Stadtbahnen auf einem Betriebshof. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Warnstreik legt Nahverkehr in Niedersachsen lahm

Stand: 29.09.2020 19:43 Uhr

In vielen Städten in Niedersachsen ging am Dienstag im Nahverkehr wegen eines Warnstreiks nichts mehr. Die Gewerkschaft ver.di hatte die Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu Warnstreiks aufgerufen.

Schwerpunkt in Niedersachsen war Hannover, Braunschweig, Osnabrück, Goslar und Göttingen. Allein in der Landeshauptstadt waren laut Schätzungen eines Üstra-Sprecher rund 400.000 Fahrgäste betroffen. Die Verkehrsbetriebe hatten zuvor ihren Gästen geraten, auf andere Verkehrsmittel auszuweichen. In den Städten kam es durch das erhöhte Verkehrsaufkommen teilweise zu Staus. Größere Beeinträchtigungen im Straßenverkehr habe es angesichts der Vorankündigungen aber nicht gegeben, sagte ein Sprecher der Polizei Hannover. Die Pendler hätten sich gut vorbereitet.

Nahverkehr soll in bundeseinheitlichen Rahmentarifvertrag

Ver.di fordert für die insgesamt 87.000 Beschäftigten Nahverkehr den Einstieg in einen bundesweiten Rahmentarifvertrag. Zwar gehört auch der öffentliche Nahverkehr zum öffentlichen Dienst - mit den aktuellen Tarifverhandlungen haben die Forderungen der Gewerkschaft aber nichts zu tun.

Ver.di: "Starke" Beteiligung

Die Beteiligung am Warnstreik im Nahverkehr nannte die Gewerkschaft "stark". Die Beschäftigten seien diszipliniert und trügen Atemschutzmasken, so ein Sprecher. Die Mitarbeiter seien aufgerufen, zu den normalen Schichtzeiten in die Betriebshöfe zu kommen. Insgesamt rund 3.500 Teilnehmer wurden erwartet.

Krankenhäuser und Altenheime werden bestreikt

Am Mittwoch soll der Warnstreik weitergehen - dann aber nicht mehr im Nahverkehr: Stattdessen soll es etwa 20 Krankenhäuser und Altenheime treffen. Die Gewerkschaft ver.di rief die Beschäftigten auf, wie bereits am Dienstag ihre Arbeit niederzulegen. Unter den bestreikten Kliniken sollen unter anderem die Krankenhäuser des Klinikums Region Hannover, der Krankenhäuser Lüneburg und Wolfsburg sowie die Psychiatrie in Lüneburg sein.

Stadtverwaltungen, Müllabfuhren und Energieversorger im Ausstand

Neben Bussen und Bahnen wurden am Dienstag auch Teile der Stadtverwaltungen, Müllabfuhren und Energieversorger bestreikt. Dies verlief aber nicht so sichtbar wie in vergangenen Jahren: Große Demonstrationen oder Streiklokale könne es wegen derCorona-Pandemie nicht geben, sagte der Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Süd-Ost-Niedersachsen, Sebastian Wertmüller, NDR 1 Niedersachsen. Dafür gebe es aber kleinere Aktionen mit 50 bis 100 Teilnehmern wie zum Beispiel in Lüneburg, Salzgitter und Wolfsburg.

Ausstände in Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg

In Südniedersachsen starteten die Protestaktionen am Dienstag mit Schwerpunkten in Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg gestartet. Ver.di zufolge waren unter anderem die Beschäftigten des Energieversorgers BS-Energy zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen - außerdem die Beschäftigten im Rathaus Salzgitter und im Klinikum Wolfsburg. Auch die Angestellten der Agentur für Arbeit in Braunschweig und Salzgitter hatten Streiks angekündigt, ebenso der Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr. Die Bereitschaft der Krankenwagen sei aber gesichert, heißt es.

Streiks an Klinikum und Wegener-Institut in Bremerhaven

Zu Streiks hatte ver.di auch im Nachbarland Bremen aufgerufen. Laut der Gewerkschaft waren unter anderem Aktionen im Klinikum Reinkenheide und am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven geplant. Am Donnerstag wollen zudem Reinigungskräfte in Kitas und Schulen die Arbeit niederlegen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.09.2020 | 18:00 Uhr

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