Waldbau wie früher: Aussaat mit Pferd und Rillensaatgerät

Stand: 11.05.2021 09:57 Uhr

In Stöckse geht ein Forstwirt auf dem Weg in die Zukunft einen Schritt zurück: Er sät neue Buchen mit Kaltblut-Pferd und selbst gebautem Rillensaatgerät - auch, um dem Klimawandel zu trotzen.

von Matthias Schuch

Es ist ein ungewöhnliches Gespann, das sich Schritt für Schritt durch den Wald bei Stöckse im Landkreis Nienburg kämpft: Vorneweg ein riesiges Kaltblut-Arbeitspferd, das eine Art weiße Schubkarre durchs Unterholz zieht, aus der Bucheckern in den zerklüfteten Waldboden rieseln. Dahinter Forstwirt Robert Schmidt, der Pferd und Gerät mit Zügeln und Kommandos auf Kurs hält. Die beiden sind dabei, neuen Wald auszusäen. Was für Schmidt und sein Arbeitspferd "Donny" zuerst einmal harte Arbeit ist, ist für die niedersächsischen Landesforsten ein möglicherweise zukunftsweisendes Experiment - denn neuen Wald, der aus Samen aufgezogen wurde, gibt es bei uns eigentlich schon lange nicht mehr.

Setzlinge sind anfälliger bei Trockenheit

Die Forstwirte arbeiten seit Jahrzehnten vor allem mit sogenannten Setzlingen - zwei bis drei Jahre alten Bäumchen aus Baumschulen, die überall dort eingepflanzt werden, wo neuer Wald entstehen oder alter Wald verjüngt werden soll. Doch angesichts des Klimawandels zeigen sich inzwischen die Nachteile dieser Methode: "Solche Setzlinge sind weniger widerstandsfähig als Bäume, die vor Ort gekeimt sind, haben ein weniger großes Wurzelgeflecht und kommen mit Trockenheit nicht so gut klar", erklärt Förster Henning Schmidtke. "Deshalb wollen wir hier einfach mal ausprobieren, ob es nicht besser ist, den Wald in Zukunft wieder auszusäen anstatt mit Setzlingen zu arbeiten."

Arbeitsgerät erledigt drei Schritte auf einmal

Forstwirt Robert Schmidt läuft mit einer Sähmaschine hinter seinem Kaltblut-Arbeitspferd "Donny" her. © NDR
Pferd "Donny" kommt gut durchs Gelände.

Ausgesät wird dabei mit einem sogenannten Rillensaatgerät - der weißen Schubkarre, die Schmidt und "Donny" gerade ein paar Meter weiter durch den Wald ziehen. Das Gerät hat Schmidt selbst entworfen, denn bisher gibt es kaum Technik für die Waldaussaat. "Im Prinzip erledigt das Rillensaatgerät drei Arbeitsschritte auf einmal", erklärt Schmidt den Prozess. Es pflüge eine Furche in den Boden, in die von oben durch eine Art Trichter die Bucheckern fallen. Und am Ende werde die Furche wieder verschlossen. "Und natürlich braucht das Ganze eine Kraftquelle, die es zieht - da ist so ein Pferd die beste und geländegängigste Option", so Schmidt.

Aussaat könnte auch im Harz funktionieren

Rund eineinhalb Hektar Buchen sollen die beiden am Rand des Krähenmoors an einem Arbeitstag im Auftrag der Landesforsten aussäen - nachhaltig und bodenschonend dank Pferdeantrieb. Wenn alles gut klappt, so die Hoffnung der Landesforsten, dann könnte diese Arbeit der Waldansaat bald überall in Niedersachsen zum Tragen kommen, zum Beispiel im Harz, wo das Gelände ohnehin schwierig ist und nach dem Fichtensterben der letzten Jahre riesige Flächen aufgeforstet werden müssen. Vorausgesetzt, es findet sich genug Saatgut und genug Forstwirte und Arbeitspferde, die mit dem Rillensaatgerät umgehen können.

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