Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim, bei einer Pressekonferenz. © picture alliance/dpa Foto: Moritz Frankenberg

Vorwurf: Spielte Bischof Wilmer Belästigungs-Fall herunter?

Stand: 12.03.2021 14:54 Uhr

Eine Frau wirft dem Hildesheimer Bischof Wilmer vor, in seiner früheren Schulleiter-Funktion einen Fall von sexueller Belästigung nicht ernst genug genommen zu haben. Wilmer gibt sich selbstkritisch.

Der Vorfall soll sich im Jahr 2007 ereignet haben, wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) berichtet. Die heute 29 Jahre alte Frau gab der Zeitung gegenüber an, als 15-jährige Schülerin über einen längeren Zeitraum von einem Lehrer anzüglich berührt und verbal belästigt worden zu sein. Heiner Wilmer war zu der Zeit Schulleiter des betreffenden katholischen Gymnasiums Leoninum im emsländischen Handrup.

Frühere Schülerin fühlte sich nicht ausreichend geschützt

Ihre Eltern hätten auf ein Gespräch mit der Schulleitung gedrängt, sagte die ehemalige Schülerin der HAZ. Das Treffen habe stattgefunden, Wilmer habe sich jedoch mit den Erklärungen des Lehrers zufrieden gegeben. Als Schulleiter hätte er nach Ansicht der Frau aber die Pflicht gehabt, sie zu schützen.

Bischof: Eltern mit Disziplinargespräch einverstanden

Wilmer bestätigte den Vorfall auf der Internet-Seite des Bistums Hildesheim, schilderte den Ablauf der Ereignisse jedoch anders. Er habe mit den Eltern vereinbart, dass er mit dem Lehrer ein Disziplinargespräch führt, womit diese einverstanden gewesen seien. Unverzüglich habe er das Gespräch mit dem Lehrer geführt, der die Vorwürfe auch eingeräumt habe. Er habe den Lehrer mündlich abgemahnt und ihm mitgeteilt, dass er ihn fortan streng beobachten würde. Der inzwischen verstorbene Pädagoge habe die Schülerin anschließend nicht mehr unterrichtet.

Wilmer bedauert Versäumnisse

Im Rückblick zeigt sich der Bischof selbstkritisch: Aus heutiger Sicht hätte er eine Vertrauenslehrerin oder psychologische Betreuung hinzuziehen müssen, heißt es in seiner Stellungnahme. Dass dies nicht geschehen sei, bedauere er. Wilmer spricht sich seit Beginn seiner Amtszeit im September 2018 dafür aus, sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche konsequent aufzuklären. Er hat bereits mehrere Fälle offengelegt.

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Heiner Wilmer auf einer Pressekonferenz. © dpa Bildfunk Foto: Ole Spata

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.03.2021 | 13:00 Uhr

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