Stand: 06.08.2018 21:11 Uhr  - NDR Blue

Verbände: Wieder müssen Lehrer Löcher stopfen

Am Donnerstag beginnt das neue Schuljahr in Niedersachsen. Wie schon zu Beginn des vorherigen Schulhalbjahres klingen die Probleme zum Ende dieser Ferien so: Es fehlt Personal an den Schulen. Wieder müssen Gymnasiallehrer etwa an Grundschulen aushelfen - um dort Löcher im Unterrichtsplan zu stopfen. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren aber hat das niedersächsische Kultusministerium offenbar gelernt: Lehrer, die an anderen Schulen aushelfen müssen, haben laut NDR 1 Niedersachsen nun immerhin früher Bescheid bekommen. Somit konnten Lehrer und Schulen etwas besser planen. Dennoch: Geht es nach den Verbänden muss es mehr Lehrer geben. Der Philologenverband Niedersachsen wird konkret: 550 Lehrer mehr und die Situation könnte besser werden.

Ziel verfehlt?

Laut Kultusministerium sind von den 2.000 ausgeschriebenen Stellen am 2. August bereits 1.850 besetzt gewesen. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis Ende des Monats. Für das kommende Schuljahr wurden Abordnungen im Umfang von 23.310 Unterrichtsstunden verfügt - so der Stand Ende Juni. Viel zu viele, kritisiert auch der Verband der Elternräte der Gymnasien Niedersachsens: Das Ziel der Landesregierung, die Unterrichtsversorgung zu verbessern und die Abordnungen einzudämmen, sei deutlich verfehlt worden. "Viele der jetzt eingestellten Lehrkräfte werden eben auch in Teilzeit arbeiten", sagte Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes. Die Zahl der tatsächlich erteilten Unterrichtsstunden werde somit keinesfalls den Umfang erreichen, der zu einer durchgreifenden Verbesserung der Unterrichtssituation führen könnte.

Sorgen im ländlichen Raum

Gerade aus vielen Schulen in ländlichen Räumen melden Grundschulleitungen besorgniserregenden Unterrichtsmangel, wie der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Niedersachsen mitteilte. Konkret wird da die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): Städte und Landkreise wie Delmenhorst, Wilhelmshaven, die Wesermarsch, Diepholz, Nienburg, Holzminden, Celle und Heidekreis seien bei Bewerbern nicht sehr beliebt.

Mehr Werben, mehr Gehalt, mehr Studienplätze

Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist die Sache klar: "Man muss für das Lehramt wieder verstärkt werben", sagte Landesgeschäftsführer Rüdiger Heitefaut. Er fordert mehr Anstrengungen vom Land. So sollten etwa Grund-, Haupt-, Realschul- und Gymnasiallehrer in der A13-Besoldungsgruppe bezahlt werden. Zudem sollten Lehrer und Schulen entlastet werden. "Mehr Anrechnungsstunden für besondere Belastungen der Schulen ließen sich zum Beispiel schnell umsetzen", so Heitefaut weiter. Darüber hinaus müssten an den Universitäten nach einer Abbauphase wieder mehr Lehramt-Studienplätze geschaffen werden.

Kultusminister will sich äußern

Am Mittwoch will sich Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) dazu äußern. Vonseiten der CDU, schließlich in der Regierungskoalition mit der SPD, hieß es am Montag: "Auch wenn das Kultusministerium notwendige Sofortmaßnahmen ergriffen hat, stellt uns die Unterrichtsversorgung nach wie vor nicht zufrieden", sagte Mareike Wulf, stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion. Ein Treffen mit den Lehrerverbänden sei geplant und ein Schulterschluss nötig.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | Niedersachsen 18.00 | 06.08.2018 | 18:00 Uhr

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