Überfall auf Juwelier: Prozess gegen 38-Jährigen vertagt

Stand: 04.05.2021 17:28 Uhr

Acht Monate nach dem Überfall auf ein Juweliergeschäft in Celle hat vor dem Lüneburger Landgericht der Prozess gegen einen 38-Jährigen begonnen. Ihm wird versuchter schwerer Raub vorgeworfen.

von Marlene Kukral

Es war ein kurzer Prozessauftakt am Dienstag am Lüneburger Landgericht. Die Staatsanwaltschaft verlas im Prozess um den Juwelierraub in Celle mit zwei Toten im vergangenen September die Anklage, dann wurde das Verfahren auch schon vertagt. Doch bereits das waren schwere Minuten für Karin und Bernd Heinrichs. Bis heute kämpft das Ehepaar mit den Folgen des Angriffs. Als dem Angeklagten im Gerichtssaal die Handschellen abgenommen wurden, durchlebte die Juwelierin nach eigenen Worten den Angriff gedanklich noch einmal von vorn.

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Zum ersten Mal stand das Ehepaar aus dem Juweliergeschäft dem mutmaßlichen dritten Täter gegenüber. Der Bruder des angeklagten 38-Jährigen kam bei dem Überfall ums Leben, erschossen von Bernd Heinrichs - in Notwehr, wie die Staatsanwaltschaft festgestellt hat. Für den Angeklagten sei es deshalb nicht leicht, sich zu der Tat zu äußern, heißt es vom Verteidiger-Anwalt. Deshalb von ihm am Dienstag kein Wort im Gerichtssaal.

Angeklagter soll Fluchtwagen geparkt haben

Die Vorwürfe wiegen schwer. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, mit seinem Fahrzeug seinen Bruder und den weiteren Tatbeteiligten nach Celle gefahren zu haben. Dort soll er das Auto umgeparkt und auf die beiden gewartet haben, um sie nach dem Überfall wegzufahren. Obwohl die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass der Angeklagte nicht mit im Juweliergeschäft gewesen ist, muss er sich für die Taten der anderen Männer mitverantworten, weil sie den Überfall und die Flucht gemeinsam geplant haben sollen.

Angreifer waren bewaffnet

Für den Juwelier Heinrichs ist die Logik der Staatsanwaltschaft schlüssig. Weil die drei Männer gemeinsam 300 Kilometer aus Nordrhein-Westfalen gefahren seien, um den Überfall zu begehen, müsse der Angeklagte gewusst haben, was die zwei anderen Männer planen - auch, dass sie ihre Tat mit Waffengewalt durchsetzen wollten. Für das Ehepaar ist es bis heute emotional nicht möglich, ihr Geschäft wieder zu öffnen. Der Prozess wird in zwei Wochen fortgesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.05.2021 | 15:00 Uhr

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