Stand: 03.09.2018 18:01 Uhr

Toter Stadthäger: Prozess gestartet

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Im März wurde die Leiche eines 30-jährigen Stadthägers auf einem Hof in Hille (Ostwestfalen) entdeckt.

Nach dem Dreifachmord im ostwestfälischen Hille hat am Montag vor dem Landgericht Bielefeld der Prozess gegen zwei Verdächtige mit der Verlesung der Anklageschrift begonnen. Dem 51-jährigen ehemaligen Fremdenlegionär Jörg W. und dem 24-jährigen einstigen Zeitsoldaten Kevin R. wird vorgeworfen, drei Männer aus Habgier ermordet zu haben. Unter den Opfern ist auch ein 30-Jähriger aus Stadthagen (Landkreis Schaumburg). Nachdem seine Familie ihn im März vermisst gemeldet hatte, fanden Ermittler eine Woche später auf einem Hof in Hille seine Leiche.

Mord nach Streit um 5.000 Euro?

Der angeklagte Jörg W. hatte nach seiner Festnahme gestanden, den Stadthäger mit einem Hammer erschlagen zu haben. Jörg W. hatte dem 30 Jahre alten Maurer laut Anklage in Aussicht gestellt, mit einer Investition von 5.000 Euro eine gemeinsame Baufirma aufzubauen. Als der mutmaßliche Betrug auffiel und der Geprellte eine Rückzahlung verlangte, soll W. beschlossen haben, seinen Geschäftspartner umzubringen. Gemeinsam mit seinem Ziehsohn Kevin R. soll er dieses Vorhaben umgesetzt haben.

Offenbar Rente vom Nachbarn erschlichen

Zudem sollen die Verdächtigen bereits 2017 zwei weitere Männer umgebracht haben. Das erste Opfer der beiden soll laut Anklage im August 2017 ein 72-jähriger Nachbar gewesen sein, auf dessen Grundstück später der Mann aus Stadthagen tot aufgefunden wurde. Die beiden Angeklagten sollen den Rentner eine Kellertreppe hinab gestoßen und mit einem Ziegelstein und Fußtritten traktiert sowie gewürgt haben. Jörg W., der über eine Kontovollmacht des Nachbarn verfügte, soll es auf die monatliche Rente seines Opfers in Höhe von 1.300 Euro abgesehen haben. Kevin R. habe den Nachbarhof nutzen wollen.

Hilfsarbeiter brutal getötet

Wenig später sollen die beiden Angeklagten dann einen 64-jährigen Hilfsarbeiter, der auf dem Hof wohnte, getötet haben. Laut Staatsanwaltschaft gingen sie erneut sehr brutal vor: Sie sollen dem Mann von hinten einen Pflasterstein auf den Kopf geschlagen, ihn verprügelt und auf ihn eingetreten haben. Zudem wurde dem 64-Jährigen viermal mit einem Kampfmesser in den Rücken gestochen. Das Motiv sei auch in diesem Fall Habgier gewesen, heißt es. Das Opfer hatte 3.200 Euro Bargeld in seinem Zimmer, von dem sich Jörg W. den Großteil und Kevin R. einen kleineren Teil eingesteckt haben sollen.

14 Verhandlungstage sind angesetzt

Das Gericht muss im Prozess neben den genauen Motiven unter anderem klären, wer von den beiden Angeklagten bei den Gewaltakten welche Rolle gespielt hat. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war Jörg W., der in den 90er-Jahren als Fremdenlegionär im Einsatz war, Initiator der Gewalttaten. Doch Kevin R. soll bei allen drei Morden nicht nur Helfer gewesen sein, sondern auch aktiv zugeschlagen haben.

Die psychiatrischen Sachverständigen werden am zweiten Prozesstag am 20. September gehört. Insgesamt hat das Landgericht zunächst 14 Verhandlungstage angesetzt.

Weitere Informationen

Toter Stadthäger: Mordanklage gegen zwei Männer

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Drei Tote in Hille: Gab es einen Mittäter?

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.09.2018 | 14:30 Uhr

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