Stand: 17.09.2020 15:22 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Tödliche Schüsse: Juwelier sagt nächste Woche aus

Polizisten stehen an einer abgesperrten Straße in Celle. © Hannover Reporter
Bei dem Überfall in der Celler Altstadt fielen am Montag mehrere tödliche Schüsse.

Nach den tödlichen Schüssen bei einem versuchten Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft am Montag in Celle soll der mutmaßliche Schütze voraussichtlich Anfang kommender Woche vernommen werden. Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Celle, Lars Janßen, gegenüber NDR.de. Die Einzelheiten würden derzeit noch geprüft. Der 71-jährige Geschäftsinhaber hatte die Aussage zunächst verweigert.

Identität von zweiten Opfer weiter unklar

Bei dem versuchten Raubüberfall in der Celler Innenstadt waren die beiden mutmaßlichen Täter getötet worden. Bislang haben die Fahnder lediglich die Identität eines der Toten ermitteln können: Bei ihm soll es sich um einen 35-jährigen Deutschen handeln. Wer das zweite Opfer ist, ist laut Janßen noch unklar. Neue Anhaltspunkte könnte eine DNA-Untersuchung liefern, deren Ergebnisse mit vorhandenen Datenbanken abgeglichen werden sollen. Dies werde allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen, so der Sprecher. Einer der beiden mutmaßlichen Räuber war am Montagnachmittag noch am Tatort gestorben, der andere Mann am Abend in einem Krankenhaus. Wie die Anklagebehörde mitteilte, sei mindestens einer der Täter bewaffnet gewesen, als die beiden Männer das Geschäft betraten. Nach einer ersten Einschätzung der Polizei soll es sich um eine scharfe Waffe gehandelt haben, sagte Janßen NDR.de. Klarheit soll ein waffentechnisches Gutachten durch das Landeskriminalamt bringen.

Totschlag oder Notwehr?

Laut Staatsanwaltschaft steht zweifelsfrei fest, dass der 71 Jahre alte Inhaber des Geschäfts die tödlichen Schüsse abgegeben hat. Er habe eine gültige Waffenbesitzkarte und durfte die Schusswaffe benutzen, so die Staatsanwaltschaft weiter. Gegen ihn werde wegen Totschlags ermittelt. Die Ermittler prüfen jetzt unter anderem, ob das Inhaber-Ehepaar womöglich aus Notwehr gehandelt hat.

Schütze spricht mit Zeitung

Der Juwelier hatte sich gegenüber den Ermittlern zunächst auf sein Auskunftsverweigerungsrecht berufen. Nachdem er sich aber gegenüber der "Bild"-Zeitung (Mittwochausgabe) ausführlich geäußert hat, sei die Staatsanwaltschaft Celle mit dem Anwalt des 71-Jährigen in Kontakt getreten. Über seinen Verteidiger habe der Juwelier daraufhin dann doch seine Bereitschaft zu einer Aussage erklärt, sagte Janßen. Dass der 71-Jährige zunächst nur mit der "Bild", nicht aber mit der Behörde gesprochen hatte, wollte der Justiz-Sprecher nicht weiter kommentieren.

Juwelier: "Wollte meine Frau retten"

Gegenüber der Zeitung hatte der Mann gesagt, er habe seine Frau retten wollen. "Es tut mir alles unendlich leid", so der Juwelier. Auch zu dem Rollstuhl, in dem einer der Täter saß, äußerte sich der 71-Jährige. Der Rollstuhl ist dem Juwelier zufolge Teil der Masche gewesen. Der Mann aus dem Rollstuhl sei über den Tresen gesprungen und habe sich auf seine 72 Jahre alte Frau gestürzt. Dann habe er zur Waffe gegriffen, sagte der Ladenbesitzer laut "Bild". Wie die Zeitung berichtet, ist das Juweliergeschäft schon einmal Ziel eines Überfalls gewesen.

Es werden Zeugen gesucht

Die Beamten setzen nun auf Zeugenhinweise. Denn die bewaffneten mutmaßlichen Täter könnten vor dem missglückten Überfall anderen Menschen aufgefallen sein. Einer von ihnen habe in einem Rollstuhl gesessen, so die Polizeisprecherin weiter. Der andere Mann habe ihn geschoben. Die Ermittler suchen nun Passanten, die zum Beispiel beobachtet haben, wie das Duo den Rollstuhl aus einem Auto entladen hat. Gegen 15.50 Uhr sollen die beiden Männer am Montag das Juweliergeschäft betreten haben. Kurz darauf sei es "zur Schussabgabe im Innern" gekommen, so die Polizei. Zu diesem Zeitpunkt habe sich neben den beiden mutmaßlichen Tätern nur das Inhaber-Ehepaar in den Geschäftsräumen befunden. Der 71-Jährige und seine 72 Jahre alte Ehefrau erlitten laut Staatsanwaltschaft Schocks.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.09.2020 | 14:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Demonstranten auf dem Opernplatz in Hannover. Ein Banner liegt auf dem Boden mit der Aufschrift: #kulturverhungert © NDR Foto: Bertil Starke

#kulturverhungert": Künstler-Demo für mehr Hilfen

In Hannover haben etwa 150 Menschen aus der Musik, Kultur und Veranstaltungsbranche für höhere Corona-Hilfen demonstriert. Die versprochene Unterstützung komme nicht an, beklagen sie. mehr

Der Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses brennt, die Feuerwehr ist im Einsatz. © Feuerwehr Garbsen Foto: Stefan Müller

Feuer in Garbsen: Acht Wohnungen unbewohnbar

Im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses in Garbsen hat es am Sonnabend gebrannt. Alle Wohnungen sind laut Feuerwehr unbewohnbar. Ein Bewohner versuchte, in das brennende Haus zu gelangen. mehr

Eine Wahlhelferin sortiert Briefwahlstimmen. © dpa-Bildfunk

Corona: War Briefwahl in Hameln-Pyrmont zulässig?

Einem Rechtsgutachten zufolge könnten Einsprüche gegen die verpflichtende Brief-Stichwahl zum Landrat von Hameln-Pyrmont berechtigt sein. Grund waren seinerzeit Corona-Beschränkungen. mehr

Ein Blaulicht auf einem Polizeiwagen, im Hintergrund ein weiterer Polizeiwagen. © picture alliance/dpa Foto:  Friso Gentsch

Mann onaniert vor Kindern und Tochter

Auf einem Spielplatz in Bad Münder hat ein 45-Jähriger am Freitag vor Kindern onaniert. Auf dem Spielplatz befand sich auch seine fünfjährige Tochter. Er wurde vorübergehend festgenommen. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen