Stand: 15.06.2020 16:06 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

TUIfly in der Krise: Lob für konstruktiven Auftakt

Bernd Althusmann (CDU) steht in einem Raum beim "runden Tisch" der TUIfly GmbH. © dpa Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich
Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) kündigte nach dem Treffen eine Fortsetzung der Gespräche an.

Trotz des angekündigten Sparkurses soll Hannover weiter Hauptstandort der Fluglinie TUIfly bleiben. Das haben Verantwortliche des Unternehmens nach einem Gespräch mit Vertretern der Arbeitnehmer betont. Keine Angaben gab es dazu, in welchem Umfang am Heimatsitz der Fluglinie und anderswo Arbeitsplätze reduziert werden sollen. Ziel der Beratungen sei es zunächst gewesen, die Rahmenbedingungen zu erläutern, unter denen TUIfly derzeit arbeite, hieß es. Am Donnerstag sind die Sparmaßnahmen Thema im Aufsichtsrat.

VIDEO: Corona-bedingter Stellenabbau bei TUIfly? (3 Min)

Althusmann: Sparkurs nicht ohne Schmerzen

Eingeladen zu dem Treffen hatte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Er kündigte eine Fortsetzung der Gespräche an. "Wir werden den Prozess weiterhin begleiten." Die Lage für den Konzern sei ernst. Die Konzernführung habe zwar signalisiert, möglichst auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Es sei aber allen Beteiligten klar, dass der angekündigte Sparkurs nicht ohne Schmerzen verlaufen werde, so Althusmann. Zuvor war bekannt geworden, dass TUIfly wegen des hohen Spardrucks in der Corona-Krise um rund die Hälfte verkleinert werden soll. Hunderte Arbeitsplätze könnten wegfallen. Zudem sollen die Standorte Köln, Bremen und Münster-Osnabrück schließen. Bei TUIfly gibt es rund 2.000 Vollzeitstellen, davon 1.400 Piloten und Flugbegleiter. Hannover ist nach Düsseldorf (NRW) der zweitgrößte TUIfly-Standort.

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Lob für "konstruktiven Auftakt"

Nach dem Treffen mit Betriebsräten, Gewerkschaften und TUI-Management im Wirtschaftsministerium in Hannover lobten alle Seiten den Auftakt. Das Treffen habe "in konstruktiver Atmosphäre" stattgefunden, hieß es. Minister Althusmann hob eine Kompromissbereitschaft hervor, die das Gespräch geprägt habe. Die Gewerkschaft ver.di sieht in der bislang festgefahrenen Situation nun zumindest etwas Bewegung gekommen. Für den Chef der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), Markus Wahl, ist bei dem Gespräch deutlich geworden, "dass massive Staatshilfen und ein hoffnungsvoller wirtschaftlicher Ausblick mit einem massiven Stellenabbau in der angekündigten Höhe nicht zusammenpassen". TUI hatte in der Corona-Pandemie einen staatlichen Hilfskredit über 1,8 Milliarden Euro erhalten.

Flottenreduzierung bleibt strittig

Bei den einzelnen Punkten zeigte sich allerdings, dass es noch Gesprächsbedarf gibt. So etwa wenn es um die geplante Reduzierung der TUIfly-Flotte von 39 auf 17 Flugzeuge geht. TUIfly-Geschäftsführer Oliver Lackmann hat diese Zahl am Montag erneut wiederholt, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Althusmann sagte dagegen, das er diese Zahl für "nicht hilfreich" halte. Vor dem Treffen hatte es bereits geheißen, dass eine "Verringerung der Flotte auf nur noch 17 Flugzeuge und viele Standortschließungen" keine Ausgangsposition für Verhandlungen sei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.06.2020 | 16:00 Uhr

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