Über dem Gelände der Deutschen Messe AG in Laatzen ist das Logo der Hannover Messe zu sehen. © Deutsche Messe AG

Stellenabbau bei Messe AG: Noch keine Einigung erzielt

Stand: 27.11.2020 19:39 Uhr

Die Deutsche Messe AG in Hannover will die Zahl ihrer Beschäftigten in den kommenden Jahren von 730 auf 480 reduzieren. Derzeit wird über die Zukunft des Unternehmens gesprochen.

Diese Gespräche hätten am Freitag noch kein endgültiges Ergebnis gebracht. Man habe zwei Tage konstruktiv verhandelt, einen Durchbruch gebe es aber noch nicht, hieß es am Freitag vom Unternehmen und der IG Metall. Am Freitagabend wollten sich die Spitzen beider Seiten noch mit Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) treffen. Am Dienstag sollen die Gespräche zwischen Vorstand und Betriebsrat zur Zukunft der Messe AG fortgesetzt werden.

Stellenabbau solle sozialverträglich sein

Der Grund für den geplanten Abbau sind die gravierenden Umsatz- und Ergebnisrückgänge infolge der Corona-Pandemie. Der Stellenabbau bis 2027 solle sozialverträglich durch Fluktuation und Freiwilligenprogramme erfolgen, hatte das Unternehmen nach einer Aufsichtsratssitzung am Mittwoch mitgeteilt.

Köckler: "Wir haben historisch schlechte Zahlen"

Vor allem die Absage der Hannover Messe als der einstmals größten Industriegüterschau der Welt habe im Frühjahr zu großen Verlusten geführt. "Wir haben historisch schlechte Zahlen in diesem Jahr - wie alle anderen Messegesellschaften auch", sagte Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG. Nun gehe es darum, mit dem "gesunden Kern nach vorne zu schreiten". Das Unternehmen wolle sich künftig noch stärker auf Vertrieb, Neugeschäft und hybride Messeformate konzentrieren. Vorgesehen sei der Einsatz von Kurzarbeit auch im Jahr 2021, die Reduktion der Wochenarbeitszeit in 2022, Einschnitte bei Führungskräften sowie die Reduzierung von tariflichen und übertariflichen Leistungen.

Vorstand geht von längerer Durststrecke aus

"Wir sind inmitten der größten Krise der Messe- und Eventbranche", sagte Köckler weiter. Sowohl die Nachfrage nach Messebeteiligungen als auch die Geschäftsreisetätigkeit werde voraussichtlich noch auf Jahre unter dem Vor-Corona-Niveau liegen. "Daher müssen wir verstärkt auf neue Messeformate setzen und unsere Kosten zwingend an die geringeren Umsätze anpassen." Nach Unternehmensangaben wird für dieses Jahr ein Minus von 103 Millionen Euro erwartet - bei einem Umsatz in Höhe von 95 Millionen Euro. 2019 lag der Umsatz noch bei knapp 350 Millionen Euro.

Keine Einigung, keine Kredite

Niedersachsens Finanzminister Hilbers hatte Anfang der Woche eine Senkung der Personalkosten gefordert. Im Gegenzug stellte er eine Bürgschaft des Landes in Aussicht, mit der die Messe leichter an neue Kredite kommen könnte. Das Land hält rund die Hälfte der Anteile an der Messe AG, weitere große Anteilseigner sind Stadt und Region Hannover. Mit Ausnahme der Arbeitnehmervertreter hätten alle Mitglieder dem Vorschlag des Vorstandes zur Neuausrichtung des Unternehmens zugestimmt, hieß es.

Weitere Informationen
Über dem Gelände der Deutschen Messe AG in Laatzen ist das Logo der Hannover Messe zu sehen. © Deutsche Messe AG

Deutsche Messe AG: Einigung über Sparkurs rückt näher

Die IG Metall und der Betriebsrat wollen die Einsparpläne des Vorstands unter bestimmten Bedingungen akzeptieren. (23.11.2020) mehr

Blick auf das Convention Center der Deutschen Messe AG in Hannover. © picture alliance/dpa Foto: Julian Stratenschulte

Landtagsausschuss berät über Hilfen für Messe und Flughafen

Die Corona-Krise hat beide Gesellschaften in Finanz-Not gebracht. Die bedrohliche Lage war am Mittwoch Thema im Ausschuss. (19.11.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 25.11.2020 | 19:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Eine Gesichtsmaske liegt auf Geldscheinen © picture alliance/ZB/Z6944/Sascha Steinach Foto: Sascha Steinach

Studie: Jede zweite Kommune in Niedersachsen erhöht Abgaben

Grund sind geringere Einnahmen wegen der Corona-Krise. Teurer werden zum Beispiel Müllabfuhr und Straßenreinigung. mehr

Die Seite eines Polizeibusses. © NDR Foto: Thomas Hans

Stadthagen: Polizei findet 57-Jährigen tot in seiner Wohnung

Die Haushaltshilfe des Mannes hatte ihn als vermisst gemeldet. Die Todesursache ist noch unklar. mehr

Blick in ein leeres Klassenzimmer der Klasse 1 a einer Grundschule © picture alliance/Inderlied/Kirchner-Media / Inderlied/Kirchner-Media

Szenario C wie Chaos? Krisen-Konzept in der Kritik

Grundschüler haben in Niedersachsen die Wahl: Schule oder zu Hause lernen. Verbänden und Opposition gefällt das nicht. mehr

Eine Gebäudereinigerin wischt den Flur in einer Berufsschule © dpa Bildfunk Foto: Jens Büttner

IG Bau fordert kostenlose Masken für Reinigungspersonal

Putzkräfte seien in der Corona-Pandemie nicht ausreichend geschützt. Das Personal müsse die Masken meist selbst zahlen. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen