Stand: 01.07.2019 16:16 Uhr

"Sea-Watch 3"-Kapitänin: Vater Rackete ist stolz

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Die Festnahme der "Sea-Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete sorgt für Spannungen zwischen Rom und Berlin.

Keine blauäugige Revoluzzerin, sondern geradlinig und analytisch - so beschreibt Ekkehart Rackete seine Tochter Carola. Die 31-Jährige war am Sonnabend auf Lampedusa festgenommen worden - nachdem sie als Kapitänin das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" mit 40 Flüchtlingen an Bord in den Hafen der italienischen Insel gesteuert hatte. Die Festnahme der in Kiel geborenen und in Hambühren (Landkreis Celle) aufgewachsenen Kapitänin sorgt für Spannungen zwischen Rom und Berlin. Bei Spendenaufrufen wurden mehr als eine Million Euro für die Hilfsorganisation Sea-Watch und die Gerichtskosten für die Kapitänin gesammelt. Carola Rackete werden wegen der nicht genehmigten Einfahrt ihres Schiffes Beihilfe zur illegalen Einwanderung, Verletzung des Seerechts und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen. Sie steht unter Hausarrest.

Vater hofft auf Druck der Bundesregierung

Vater Ekkehart Rackete hofft auf den Einsatz der Bundesregierung, so dass seine Tochter womöglich mit einem Bußgeld davonkomme. "Ich denke, der internationale Druck auf die italienische Regierung wird einiges bewirken". Der 74-Jährige betonte, dass er sich keine großen Sorgen um das Schicksal seiner Tochter mache: Er halte das südeuropäische Land "nach wie vor" für einen souveränen Rechtsstaat. Vater Rackete, der nicht per Foto in den Medien auftauchen will, lobte zudem die laufenden Spendenaktionen, an der sich unter anderem Hannovers Landesbischof Ralf Meister beteiligt hat. Es sei bereits so viel Geld gesammelt worden, dass Carola auch bei einer hohen Strafe nicht um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten müsse, sagte Vater Rackete.

"Die geht nicht mit Sandalen auf den Mount Everest"

In der Sache verteidigte Ekkehart Rackete das Vorgehen seiner Tochter. "Sie hat das getan, was getan werden musste", sagte er. Carola sei die Tragweite ihres Handels bewusst gewesen. Sie habe bereits vor der Übernahme der "Sea-Watch 3" vor drei Wochen Kontakt zu einer Rechtsanwältin aufgenommen, sagte der Vater am Montag. Seine Tochter wisse immer genau was sie tue. "Die geht nicht mit Sandalen auf den Mount Everest." Durch ihre Tätigkeit als nautische Offizierin sei sie es gewohnt, Entscheidungen zu treffen und vorher die Lage zu beurteilen, so der pensionierte Elektro-Ingenieur.

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Für die festgenommene Kapitänin der "Sea-Watch 3", Rackete, sind mehrere Hilfsaktionen angelaufen. Bei Spendenaufrufen kam mehr als eine Million Euro zusammen. Mehr bei tagesschau.de. extern

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 01.07.2019 | 13:30 Uhr

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