Stand: 08.10.2018 18:20 Uhr

Schweinegipfel endet ohne Ergebnis

Viele Schweinehalter fürchten angesichts strenger Regeln bei der Ferkelkastration und der Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest um die Zukunft ihrer Betriebe. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hatte deshalb für Montag zu einem Branchengipfel nach Hannover eingeladen, um sich mit den Bauern auszutauschen und sie über aktuelle Entwicklungen zu informieren. In Niedersachsen gibt es rund 5.700 Betriebe mit rund 8,5 Millionen Tieren.

Mehrere Ferkel

Ferkel-Kastration: Otte-Kinast in Bedrängnis

Hallo Niedersachsen -

Die betäubungslose Kastration von Ferkeln ist ab 2019 verboten. Für das Scheitern der geforderten Übergangsfrist wird auch Agrarministerin Otte-Kinast verantwortlich gemacht.

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Zähe Suche nach Alternativen

Nach jetzigem Stand ist ab 2019 die betäubungslose Kastration von Ferkeln in Deutschland verboten. Allerdings plant die Große Koalition einen weiteren Aufschub um zwei Jahre. Kommt dieser nicht, fürchten Bauern und Ministerin um die Zukunft vieler Familienbetriebe. Es fehlt eine Alternative zum betäubungslosen Kastrieren der Ferkel, die sowohl den Bauern als auch den Tieren gerecht wird. Alle bisherigen Vorschläge sind entweder teuer, weil ein Tierarzt dabei sein muss, oder stoßen wie die Impfung auf Vorbehalte beim Verbraucher. Das Problem müsse in den kommenden beiden Jahren gelöst werden, sagte Otte-Kinast vor dem Gipfel. Darauf werde sie massiv hinwirken.

Otte-Kinast gibt sich kämpferisch

Nach dem Gipfel gab sich Otte-Kinast kämpferisch, auch wenn das Gespräch zwischen Erzeugern und Politikerin ohne Ergebnis endete. "Ich hatte es ehrlich gesagt satt, mich darauf zu verlassen, dass es irgendwer schon richten wird", sagte Otte-Kinast. "Seit fünf Jahren ist dieses Datum - 1. Januar 2019 - bekannt. Gefühlt hat sich einer auf den anderen verlassen", resümierte die niedersächsische Landwirtschaftsministerin, "damit ist jetzt Schluss."

Jetzt ist der Bund gefragt

Man müsse jetzt handeln, und alle Beteiligten seien in der Pflicht. Sie fordert Entscheidungswillen auf Bundesebene, also im Bundestag und von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Männliche Ferkel lokal vor der Kastration zu betäuben - in Dänemark werde das seit Jahren erfolgreich vorgemacht, sagte Otte-Kinast. In Deutschland gebe es dafür noch Hürden, die jetzt beseitigt werden müssten. Männliche Ferkel werden kastriert, um zu verhindern, dass das Fleisch der erwachsenen Tiere einen strengen Geruch und Geschmack entwickelt.

Erzeuger fordern sinvolles Gesamtkonzept

Bei den Erzeugern dagegen ist der Wille zu Veränderung durchaus vorhanden. Heinrich Dierkes, Verbandschef der deutschen Schweinehalter, sagte: "Ich glaube, dass ganz viele Landwirte sehr viel Fleiß einsetzen werden, das ordentlich zu tun." Als Organisation würde man die Betäubung dann befürworten, wenn die Landwirte durch Tierärzte geschult würden. "Wenn das ein Gesamtkonzept ist, wie es die Dänen vorgesehen haben", sagte Dierkes, "dann kann das auch hier funktionieren."

Schweinefleisch ist nicht gleich Schweinefleisch

Von der sogenannten Ebermast, also der Aufzucht nicht kastrierter Tiere, und der Kastration per Spritze hält Dierkes wenig. Das Fleisch sei schlecht zu vermarkten. Das sehen Schweinehalter und Verarbeiter ähnlich. Eberfleisch sei schlechter zu Wurst und Schinken zu verarbeiten, erläuterte Heinz Schweer vom Fleischproduzenten Vion. Und es lasse sich kaum exportieren. "Wir verkaufen ja keine halben Schweine", sagte Schweer, "sondern wir verkaufen die Koteletts hier im Inland, den fetten Bauch nach Südkorea, die Pfoten nach China." Die Ansprüche seien eben unterschiedlich. "Da kann man nicht sagen, dass der eine Eberfleisch bekommt und der andere Fleisch von kastrierten Schweinen", fügte Schweer hinzu, "es viel komplexer, als sich das von außen darstellt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Funkbilder | 08.10.2018 | 18:00 Uhr

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