Stand: 29.06.2019 16:34 Uhr

Schützenausmarsch in Hannover wird zum Hitzefest

von Jan Szyszka

Mehr als 10.000 Teilnehmer aus dem In- und Ausland, rund 40 Festwagen und Kutschen sowie 200.000 Zuschauer: Der Schützenausmarsch gilt als einer der Höhepunkte des am Freitag eröffneten 490. Schützenfestes in Hannover. In diesem Jahr stellt der traditionelle Umzug vom Neuen Rathaus am Trammplatz bis zum Schützenplatz aufgrund der Wetterprognose die Organisatoren vor eine zusätzliche Herausforderung. Bis zu 35 Grad sind am Sonntag angesagt - was sowohl für Teilnehmer als auch die Zuschauer des Spektakels (live auf NDR.de am Sonntag um 10.30 Uhr) eine enorme Belastung werden kann.

Trinkwasser für Schützen, Zuschauer und Pferde

Die Stadt Hannover hat vorweg reagiert: Aufgrund der erwarteten sommerlichen Temperaturen werden an fünf Standorten kostenlose "Trinkwasserzapfstellen" eingerichtet, teilte die Stadt mit. Etwa 15 Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Hannover werden demnach an den Standorten Opernplatz-Tribüne, Georgstraße, Ballhof, Markthalle und an der Polizeidirektion Waterloostraße Wasser in Trinkbecher ausgeben. Zusätzlich werden zwei Trinkstationen für die am Ausmarsch teilnehmenden Pferde eingerichtet, die zudem unter ständiger tierärztlicher Aufsicht stehen sollen.

Zwölfmal mehr Wasserbecher

Die bereits in früheren Jahren bei größerer Hitze genutzte Maßnahme habe sich bewährt, teilte die Stadt auf NDR.de Anfrage mit. Aufgrund der erwarteten Hitze habe man die Leistungsfähigkeit der Wasserstellen "deutlich verbessert". Die Anzahl der vorgehaltenen Becher, die aus dem kompostierbaren Kunststoffmaterial PLA (polylactic acid) bestehen, sei im Vergleich zum letzten Ausmarsch bei hohen Temperaturen vor etwa vier Jahren um den Faktor zwölf multipliziert worden.

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Marscherleichterungen für Schützen

Auch die Schützen selber haben reagiert. Festleister Jürgen Wolf hat eine sogenannte Marscherleichterung ausgesprochen. Die Schützen können demnach selbst entscheiden, ob sie ihr Jackett tragen oder nicht. Zusätzliche Freiheiten seien den Verantwortlichen der Vereine und Gruppen selbst überlassen, teilte Wolf NDR.de mit.

Vorverlegung des Ausmarsches möglich?

Wie ernst die Organisatoren die möglichen Extrembedingungen nehmen zeigt, dass selbst eine zeitliche Vorverlegung des Ausmarsches, um der Mittagshitze zu entgehen, offenbar nicht ausgeschlossen ist. Auf entsprechende Anfrage von NDR.de teilte die Stadt mit, dass man in der Lage sei "kurzfristig" zu reagieren. "Wir stehen im engen Austausch mit Feuerwehr und Polizei", hieß es. Auf Nachfrage wollte eine Sprecherin dies nicht weiter konkretisieren.

Verhaltenstipps beim Schützenausmarsch

  • Die Stadt Hannover empfiehlt den Teilnehmern und Besuchern des Schützeausmarsches ausreichend zu trinken. Dabei sollte man "verantwortungsvoll" mit Alkohol umgehen. Zudem wird zu ausreichend Sonnenschutz und Kopfbedeckungen geraten. "Man sollte auf seinen Körper hören und seine Grenzen kennen", teilte die Stadt mit.
  • Das DRK Hannover rät zudem zur Verwendung von möglichst atmungsaktiver Kleidung und dem Aufsuchen von Schatten.

DRK Hannover erhöht Zahl der Helfer

Auch beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Hannover laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren - und auch hier bereitet man sich auf extreme Bedingungen vor. Aufgrund der aktuellen Wetterprognosen habe man die Zahl der Helfer von 80 auf etwa 90 aufgestockt, sagte DRK-Einsatzleiter Florian Peters NDR.de. In den neun Jahren, in denen er bislang das Schützenfest als DRK-Einsatzleiter betreute, sei dies eine Premiere, sagte Peters. Man sei schon zuvor gut aufgestellt gewesen, angesichts der prognostizierten Wetterlage sei aber klar, "dass wir was zu tun kriegen werden".

Vor allem Kreislaufprobleme werden erwartet

Peters rechnet dabei vorwiegend mit dem vermehrten Auftreten von Kreislaufproblemen. Möglich sei aber auch, dass aufgrund der Bedingungen, Vorerkrankungen bei Teilnehmern und Zuschauern auftreten können. Als Beispiel verweist Peters auf Herzinfarkte, die durch die Belastung auftreten könnten. Die ausgesprochene Marscherleichterung sei hilfreich. Peters rät den Schützen dazu, diese Möglichkeit auch wahrzunehmen. Für den Kreislauf sei der Verzicht in jedem Fall besser. "Ohne Jackett heizt sich der Körper nicht so schnell auf", so der 40-Jährige.

Dass selbst bei nahezu idealen Wetterbedingungen bei einer Massenveranstaltung wie dem Schützenfest die Einsatzkräfte gefordert sind, zeigt der Blick aufs vergangenen Jahr: Trotz Temperaturen von 26 Grad und einem leichten Wind habe allein das DRK beim Schützenausmarsch 2018 binnen fünf Stunden 15 Menschen ins Krankenhaus gebracht.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.06.2019 | 08:00 Uhr

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