Stand: 21.11.2018 20:31 Uhr

Schlachthof in Laatzen verliert Biosiegel

Dem Schlachthof Leine-Fleisch GmbH in Laatzen-Gleidingen (Region Hannover) ist das Biosiegel bis auf Weiteres entzogen worden. Das teilte das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Dem Schlachthof werden Verstöße gegen den Tierschutz vorgeworfen. Ein Teil der Produkte, die der Betrieb auslieferte, trug das Biosiegel. Dieses schreibt laut einer LAVES-Sprecherin auch vor, das Leiden der Tiere bei Haltung und Schlachtung so gering wie möglich zu halten. Bis die Abläufe in dem Betrieb geklärt seien, sei das Zertifikat ausgesetzt.

 

Tierschutzbüro hat Videoaufnahmen veröffentlicht

Die Vorwürfe gegen den Schlachthof hatte das Deutsche Tierschutzbüro erhoben. Als Beleg führen die Tierschützer heimlich gedrehte Videoaufnahmen an, die sie nun veröffentlicht haben. Darin zu sehen ist unter anderem, wie Schweine per Elektrotreiber über einen Gang in den Schlachtraum getrieben werden. Auf anderen Aufnahmen sind Schweine zu sehen, die zuckend kopfüber am Haken hängen. Vor dem Betrieb der Leine-Fleisch GmbH forderten am Mittwochvormittag Tierschützer bessere Kontrollen der Schlachthöfe durch die Behörden. Denn obwohl in dem konkreten Schlachthof nach eigenen Angaben Kameras installiert waren, wurden offenbar Schweine gequält. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall.

Bis zu acht Kontrolleure vor Ort

In dem betreffenden Betrieb hingen nicht nur Kameras, auch Behördenmitarbeiter waren vor Ort: Nach Angaben der Region vom Dienstag überwachen an jedem Schlachttag bis zu acht Mitarbeiter des Veterinäramtes die Arbeit im Schlachthof. Darunter seien drei Tierärzte, die für die tierschutzrechtliche und tiergesundheitliche Überwachung zuständig seien. Konkret würden das Abladen der Tiere sowie auch stichprobenartig das Handling im Stall, der Zutrieb sowie Betäubung und Entblutung kontrolliert. Zudem fänden regelmäßige Kontrollen des gesamten Schlachthofbetriebs durch das Veterinäramt der Region Hannover statt, bei denen es bisher zu keinen Beanstandungen gekommen sei. Die Region hat angekündigt, den Fall "schnell und vollständig" aufklären zu wollen.

Zusammenarbeit mit Subunternehmer beendet

Der Betreiber des Schlachthofs hatte am Dienstagabend Verstöße gegen den Tierschutz eingeräumt. "Das mehrfache Einsetzen von Elektrotreibern entspricht in keiner Weise den Tierschutzstandards, die wir vorgeben", hieß es in einer Erklärung. Die Verstöße seien "von einem über einen Werkvertrag eingesetzten Beschäftigten" begangen worden. Die Zusammenarbeit mit dem Subunternehmer werde beendet. Gemeinsam mit der Tierärztlichen Hochschule werde zudem daran gearbeitet, künftig einen Druckluftvortrieb zu entwickeln, damit keine Elektrotreiber eingesetzt werden müssten.

Landwirtschaftsministerium liegt Zusammenschnitt vor

Am Dienstagnachmittag hatte sich das Landwirtschaftsministerium in den Fall eingeschaltet und darauf verwiesen, dass der Behörde am Dienstag ein dreiminütiger Zusammenschnitt der Aufnahmen übermittelt wurde. Das Ministerium habe die Strafanzeige des Deutschen Tierschutzbüros aufgrund der Schilderungen zusätzlich an die Staatsanwaltschaft Oldenburg, die die Zentralstelle für Landwirtschaftsstrafsachen ist, weitergeleitet. Zudem kündigte das Ministerium an, dass vorhandene Bildaufnahmen des betroffenen Betriebs in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft gesichtet werden sollen. Darüber hinaus sollen gemeinsam mit der Region Hannover Maßnahmen zur Verhinderung von möglichen Verstößen abgestimmt werden, hieß es.

Otte-Kinast trifft sich mit Fleischindustrie

In den vergangenen Wochen waren bereits Missstände in Schlachthöfen in Bad Iburg (Landkreis Osnabrück) und Oldenburg bekannt geworden. Das Thema sollte am Mittwoch im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz behandelt werden. Die Grünen hatten dies, unabhängig von den aktuellen Vorwürfen gegen den Betrieb in der Region Hannover, beantragt. Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat zu einem Gespräch mit Vertretern der Fleischwirtschaft geladen, wie das Ministerium mitteilte. Die CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag teilte am Mittwoch mit, dass sie eine Videoüberwachung weiterhin für richtig halte. Die Überwachung bringe allerdings nur etwas, wenn die Aufsichtsbehörden in Echtzeit auf die Daten zugreifen könnten. Außerdem müssten die Daten für einen gewissen Zeitraum gespeichert werden, um Betriebe stichprobenhaft auch rückwirkend überprüfen zu können.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 21.11.2018 | 19:30 Uhr

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