Stand: 22.08.2019 18:58 Uhr

Schächten: Land hofft auf weitgehenden Verzicht

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium will erreichen, dass in Zukunft nach Möglichkeit auf das Schächten von Tieren verzichtet wird. Zwar sollen Ausnahmegenehmigungen für das von Muslimen und Juden praktizierte betäubungslose Schlachten durch einen Halsschnitt möglich sein, das Ministerium will Menschen aber intensiver über Betäubungsverfahren informieren. Der Erlass, der den Landkreisen das Erteilen von Ausnahmegenehmigungen ermöglicht, wird laut Ministerium derzeit überarbeitet. In der Neufassung solle insbesondere auf die technischen Möglichkeiten einer elektrischen Betäubung der Tiere vor dem Schlachten hingewiesen werden.

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Die niedersächsische CDU-Landtagsfraktion will das Schächten von Tieren verbieten lassen. Michael Fürst vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen kritisiert diese Forderung scharf. (16.08.2019) mehr

CDU-Fraktion stößt Debatte an

Angestoßen worden war die Debatte um das Schächten von der CDU-Fraktion im Landtag. Sie hatte sich in der vergangenen Woche einstimmig für den Vorstoß ausgesprochen. Anlass war das Ende des diesjährigen muslimischen Opferfestes, bei dem in Niedersachsen 113 Tiere geschächtet wurden. Der bisherige Erlass war 2015 abgelaufen, galt mangels einer Neuregelung aber weiter.

Tierschutz gegen Religionsfreiheit?

Laut Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) kollidieren die heutigen gesellschaftlichen Anforderungen an Tierschutz und Tierwohl mit der Religionsfreiheit. Die elektrische Kurzzeitbetäubung sei eine Methode zum tierschutzgerechten Schächten. Darüber müsse dringend der Dialog mit den Religionsgemeinschaften geführt werden, so Otte-Kinast.

Ein jüngeres Rind liegt im Stall auf Stroh. © NDR Foto: Astrid Wulf

"Tiere haben im Islam einen hohen Stellenwert"

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Niedersachsens CDU will das betäubungslose Schächten von Tieren verbieten und beruft sich auf das Tierwohl. Das ist aber auch Muslimen wichtig, sagt DITIB-Landesgeschäftsführerin Emine Oğuz.

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Juden und Muslime wollen als Teil der Religionsfreiheit die Ausnahmegenehmigung beibehalten. Verbände beider Religionen protestierten am Mittwoch erneut in einer schriftlichen Stellungnahme gegen die Pläne. In der Praxis, betonten die Verbände, würden in Niedersachsen grundsätzlich Tiere nur mit Betäubung geschächtet, so wie es das Tierschutzgesetz auch vorsieht.

Ausnahmen erlauben rituelles Schächten

Beim jüdischen und muslimischen Schächten werden dem Schlachttier mit einem Schnitt beide Halsschlagadern, Luft- und Speiseröhre durchtrennt, damit es ausblutet. Das ist in Deutschland eigentlich verboten, zum muslimischen Opferfest zum Beispiel wurden aber - auch in Niedersachsen - Ausnahmegenehmigungen erteilt. Grundlage dafür war bisher der Verweis auf die Religonsfreiheit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.08.2019 | 18:00 Uhr

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