Stand: 23.01.2019 13:44 Uhr

Rinder und Pony gerissen: Wird Wolfsrüde getötet?

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Ein Wolfsrüde aus dem Rodewalder Rudel ist bereits seit Frühjahr 2018 auffällig. (Themenbild)

Es gab immer wieder Anzeichen, dass sich das sogenannte Rodewalder Rudel nicht wie ein typisches Wolfsrudel verhält. Spätestens seit Rissen von gleich zwei Rindern in der vergangenen Woche im Landkreis Nienburg ist klar: Ein Tier davon - mutmaßlich ein Rüde - ist zum Problem geworden. Sonnabendnacht riss das Rudel dann ein Shetland-Pony, diesmal in Nienhagen bei Rodewald (Landkreis Nienburg). Das Umweltministerium in Hannover prüft deshalb jetzt, ob der als auffällig eingestufte Wolf getötet werden muss. "Wir empfinden das Verhalten als sehr bemerkenswert", sagte eine Sprecherin NDR.de. Es bestehe die Befürchtung, dass der Rüde sein problematisches Verhalten an den Rest des Rudels weitergibt. Deshalb werde jetzt juristisch geklärt, ob eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung für eine Entnahme des Wolfes erteilt werden kann.

Erste Auffälligkeiten im Frühjahr 2018

Dafür werde gerade eine Falldatei ausgewertet, so die Sprecherin. Denn das Rodewalder Rudel und sein Rüde sind längst nicht unbekannt: Erste Auffälligkeiten gab es nach Angaben des Umweltministeriums bereits im Frühjahr 2018. Über den Sommer sei es ruhig um das Wolfsrudel gewesen, bis im Herbst erneut nachgewiesen wurde, dass ein getötetes Kalb in Dudensen (Region Hannover) auf das Konto des Rüden geht. Auch ein Alpaka in Rodewald riss das Rudel, und zwar im September.

"Kein wolfstypisches Verhalten"

"Risse von Großtieren sind kein wolfstypisches Verhalten", betonte die Sprecherin, "das ist ungewöhnlich". Bei den Rindern habe es sich immerhin um 300- und 400-Kilogramm-Tiere gehandelt. Zudem sei die Herde eigentlich Schutz, den ein Wolf normalerweise respektiere.

DNA-Tests sollen Gewissheit bringen

Die DNA-Tests zu den Rissen im Landkreis Nienburg aus den vergangen Tagen liefen noch, heißt es aus dem Umweltministerium. "Wir gehen aber davon aus, dass es das gleiche Rudel beziehungsweise der gleiche Rüde ist", sagte die Sprecherin. Die Test seien diesmal aufwendig, weil nicht nur die Zugehörigkeit zum Rodewalder Rudel sondern auch geklärt werden müsse, ob es erneut der betreffende Rüde war. Liegt dann das Ergebnis vor, wird "zeitnah" eine Entscheidung über das Schicksal des Tieres getroffen

Bisher wurde nur ein Mal ein Problemwolf getötet

Zum Töten des Wolfes ist wegen des strengen Artenschutzes eine Sondergenehmigung nach dem Bundesartenschutzgesetz nötig. Diese ist in Niedersachsen erst ein einziges Mal erteilt worden, und zwar 2016 für den Wolf "MT6", der in sozialen Netzwerken unter dem Spitznamen "Kurti" bekannt war. Das Tier wurde im Heidekreis erschossen, nachdem es sich immer wieder auffällig verhalten und Menschen genähert hatte.

20 Wolfsrudel in Niedersachsen

Niedersachsen ist das Land mit dem aktuell größten Wolfs-Vorkommen im Norden: Bis November zählte das Wolfsbüro des niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) 20 Wolfsrudel und zwei Wolfspaare. Die exakte Anzahl von Tieren lässt sich laut NLWKN nicht ermitteln - die Rudelgröße schwanke im Jahresverlauf stark, etwa durch neu geborene oder abwandernde Tiere. Diskussionen um den Abschuss auffälliger Tiere gibt es immer wieder - zuletzt auch in Schleswig-Holstein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 23.01.2019 | 09:30 Uhr

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