Stand: 30.10.2015 09:45 Uhr

Revision im Fall Jenisa angekündigt

Das vor rund zwei Wochen vom Landgericht Hannover gesprochene Urteil im Fall Jenisa wird vom Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe überprüft. Die Kammer in Hannover hatte den Angeklagten, der der ehemalige Lebensgefährte von Jenisas Tante war, für schuldig befunden, die Achtjährige missbraucht und getötet zu haben. Gegen die lebenslange Haftstrafe hat die Verteidigung Revision eingelegt. Die Anwälte berufen sich auf Verfahrensfehler. Auch die Nebenklage akzeptiert das erstinstanzliche Urteil nicht. Die Anwälte von Jenisas Eltern hatten in dem Prozess eine Sicherungsverwahrung für den Angeklagten gefordert. Die Prüfung des BGH werde voraussichtlich mehrere Monate dauern, so ein Landgerichtssprecher.

Richter: "Angeklagter wollte Familie ins Unglück stürzen"

Bei der Urteilsbegründung hatte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch eindrücklich die Situation vor acht Jahren geschildert. "Er hat sie Todesangst durchleben lassen", sagte Rosenbusch über das Opfer. Auslöser seien Streitereien mit der Familie der Lebensgefährtin gewesen. "Er hatte beschlossen, die Familie in Unglück, in Verzweiflung zu stürzen", so Rosenbusch. Der 44-jährige Angeklagte war schon vor acht Jahren ins Visier der Ermittler geraten, als Jenisa verschwand - doch die Beweise fehlten. Erst im vergangenen Jahr kamen die Ermittlungen gegen ihn durch Aussagen aus seinem Umfeld wieder ins Rollen.

44-Jährigem drohen 30 Jahre Gefängnis

Mit dem Urteil entsprach das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Weil der Mann bereits Ende Oktober wegen Mordes an dem fünfjährigen Dano in Nordrhein-Westfalen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde, kommt er frühestens in 30 Jahren frei. "Beide Urteile werden dann sozusagen addiert", sagte Gerichtssprecher Stephan Loheit dem NDR. Erst wenn der Mann die Haftstrafe für den Mord an Dano abgesessen hat, tritt er die lebenslange Haft für den Mord an Jenisa an. Voraussetzung dafür ist aber, dass das Urteil rechtskräftig wird.

Mithäftling bring Ermittler auf die Täterspur

Der Mann hatte Jenisa 2007 in sein Auto gelockt, entführt und in ein Waldstück bei Wunstorf verschleppt. Dort hat er das Mädchen sexuell missbraucht und anschließend erschlagen. Die Leiche des Mädchens blieb bis zum vergangenen Jahr verschwunden. Zwar schwieg der Mann vor Gericht, doch gab er Mitgefangenen offenbar Einblick in seine Beweggründe: Weil er sich als Türke immer wieder von der aus Albanien stammenden Roma-Familie seiner damaligen Partnerin gedemütigt gefühlt haben soll, entschloss er sich zu dem Verbrechen. Auch den Mord an Dano soll er aus Rache begangenen haben. Einem Mithäftling gestand er die Morde und erzählte außerdem, wo er Jenisa vergraben hatte. Der Mithäftling informierte die Justiz, die mit den Angaben das Skelett von Jenisa schließlich 2014 in einem Wald in der Region Hannover fand.

Weitere Informationen

Fall Jenisa: Mithäftling schildert Geständnis

Am zweiten Tag des Jenisa-Prozesses vor dem Landgericht Hannover hat ein Mithäftling des Angeklagten von einem Geständnis berichtet. Demnach soll Ibrahim B. aus Rache getötet haben. (23.09.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 15.10.2015 | 19:30 Uhr

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