Soldaten stehen auf einem Truppenübungsplatz der Bundeswehr. © NDR Foto: Andreas Rabe

Rechte Chatgruppe: Bundeswehr setzt Ermittlungen fort

Stand: 30.11.2020 08:20 Uhr

Im Fall von rechten Chats in der Panzerlehrbrigade 9 untersucht die Bundeswehr weiteres Beweismaterial. Ein Großteil der insgesamt 26 Soldaten sind in Neustadt am Rübenberge stationiert.

Die Soldaten sollen sich in einer Chatgruppe ausgetauscht haben. Auf sichergestellten Handys konnten die Ermittler nach Informationen der ARD bereits zahlreiche Beweise sichern. In den Einträgen sind offenbar Gewaltverherrlichung, Pornografie, Antisemitismus und Rechtsextremismus zu finden. Außerdem seien in dem Chat Bilder entdeckt worden, die Soldaten beim Hitlergruß zeigen, berichtet der "Spiegel". Das Verteidigungsministerium hat die Obleute im Bundestag über den Fall informiert. Bei der Gruppe soll es sich um 16 Unteroffiziere und 10 Mitglieder mit Mannschaftsdienstgraden handeln.

Drei Soldaten vom Dienst suspendiert

Die Vorgesetzten hätten sofort nach Bekanntwerden der Vorgänge die erforderlichen disziplinarischen Ermittlungen eingeleitet, heißt es. Die zuständigen Wehrdisziplinar- und Staatsanwaltschaften sowie der Militärische Abschirmdienst (MAD) seien eingebunden worden. Bislang sei drei Soldaten das Tragen der Uniform und das Ausüben des Dienstes verboten worden. Viele der unter Verdacht stehenden Soldaten gehören demnach dem Versorgungsbataillon 141 im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge an.

Otte: "Das dulden wir nicht"

Henning Otte (CDU), Bundestagsabgeordneter aus Bergen (Landkreis Celle) und Mitglied des Verteidigungsausschusses, äußerte sich am Sonnabend. "Lassen Sie mich das glasklar formulieren: Für Rechtsextremismus ist in der Bundeswehr kein Platz - das dulden wir nicht und das ist mitnichten ein Kavaliersdelikt", sagte Otte NDR Niedersachsen. Der neue Fall sei aber auch eine Folge genaueren Hinsehens durch eine Stärkung des MAD, so Otte weiter. "Jetzt müssen wir abwarten, was die Ermittlungen ergeben, denn auch das ist in unserem Rechtsstaat wichtig, dass wir uns ein Urteil erst nach Vorliegen aller Fakten bilden", sagte er.

Brigade hat mehrere Standorte in Niedersachsen

Die Panzerlehrbrigade 9 besteht aus sieben Bataillonen, die an den Standorten Lüneburg, Rotenburg, Munster und Neustadt am Rübenberge sowie in Minden (Nordrhein-Westfalen) stationiert sind. Bundesweit hatten zuletzt immer wieder rechtsextreme Umtriebe von Bundeswehrsoldaten für Schlagzeilen gesorgt. Außerdem flogen wiederholt Chatgruppen von Polizeibeamten und zuletzt bei der Bremer Berufsfeuerwehr mit rechtsextremistischen Inhalten auf.

Weitere Informationen
Deutschlandflagge auf Kampfanzug eines Bundeswehrsoldaten © dpa - Bildfunk Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Rechtsextreme Soldaten - nur schwer zu entlassen?

Die Devise der Verteidigungsministerin ist: Null-Toleranz gegen Rechtsextremisten. Doch es ist schwierig, erkannte Extremisten zu entlassen. (01.11.2020) mehr

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) steht bei einer Pressekonferenz auf einem Podium. © dpa picture alliance Foto: Ole Spata

Extremismusstudie: Innenminister Pistorius macht Druck

Pistorius hat angekündigt, die Untersuchungen "recht schnell" auf den Weg zu bringen und Wissenschaftler einzubinden. (10.10.2020) mehr

Soldat am Handy

Bundeswehr: Rechtsextreme bleiben, Informant muss gehen

Rechtsextreme Soldaten zeigen in den sozialen Netzwerken ungeniert ihre Gesinnung - aber statt alle zu entlassen, trennt sich die Bundeswehr vom Whistleblower, der sie gemeldet hat. (05.03.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.11.2020 | 19:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Ein Schild mit der Aufschrift "Maskenpflicht" hängt an einer Bushaltestelle nahe der Ortschaft Bartmannsholte. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Corona-Regeln: Wann wird es wieder lockerer?

Die Landesregierung hat einen Plan für Niedersachsen - der ist allerdings derzeit noch im Entwurfstadium. mehr

Carola Reimann (SPD) steht an einem Pult im Landtag und spricht. © NDR

Corona-Impfungen: Reimann erläutert schleppenden Start

Im Landtag ist die Gesundheitsministerin auf die Probleme mit der Technik und den Impfstoff-Lieferungen eingegangen. mehr

Eine Frau sitzt mit einer Tasse Kaffee an einem Arbeitstisch vor einem Laptop. © fotolia.com Foto: kantver

Umfrage: 40 Prozent der Verwaltungsmitarbeiter im Homeoffice

In der Privatwirtschaft arbeiten noch weniger Beschäftigte zu Hause. Ein Hindernis ist oft die digitale Infrastruktur. mehr

Ein Polizeiauto steht vor dem Gebäude der Landesaufnahmebehörde in Langenhagen. © aktuell24

Justizministerium nimmt Linksextreme stärker ins Visier

Anlass sind die jüngsten Brandanschläge in Braunschweig und Hannover. Kritik gab es im Landtag von den Grünen. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen