Stand: 18.07.2018 19:39 Uhr

Politik und Experten sehen A2-Tempolimit kritisch

Trotz der Serie schwerer Lkw-Unfälle auf der A2 schließt das Verkehrsministerium vorerst Tempobegrenzungen aus. "Das sehen wir eher skeptisch", sagte dazu ein Sprecher. Die Unfallzahlen seien im Jahresvergleich rückläufig und ein generelles Tempolimit von 130 Kilometern in der Stunde oder weniger greife nicht, so der Sprecher weiter. Nur an zwei Stellen auf der A2 hätten die Auswertung der Unfälle ergeben, dass Geschwindigkeiten über 120 Stundenkilometer die Unfallgefahr deutlich erhöhen. Dort gibt es nach Angaben des Ministeriums dauerhafte Tempobeschränkungen. "An anderen Stellen der A2 sind solche Umstände nicht gegeben", erklärte der Sprecher. Zudem seien die schweren Unfälle vor allem Auffahrunfälle von Lastwagen gewesen, da bewirke ein Limit von 130 Kilometern pro Stunde ohnehin nichts.

Verkehrswacht für Geschwindigkeitsbegrenzung

Gefordert hatte das Tempolimit die Verkehrswacht, angesichts der zahlreichen schweren Unglücke auf der viel befahrenen Autobahn. Über den Vorstoß hatte zuerst die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (Mittwochsausgabe) berichtet. Der Verkehrswachtvorsitzende Fritz Henze hält demnach eine konstante Höchstgeschwindigkeit zwischen 100 und 130 Kilometern pro Stunde für sinnvoll.

Verkehrsforscher: Tempolimit gefährlich

Verkehrs-Experten sehen die Forderung kritisch. Michael Schreckenberg, Stauforscher an der Universität Duisburg-Essen, sagte im Interview mit NDR 1 Niedersachsen, dass ein Tempolimit sogar gefährlicher sei. Es führe zu mehr Unachtsamkeit im Straßenverkehr: "Es ist einfach langweilig, bei dieser Geschwindigkeit auf eine freien Strecke zu fahren", so Schreckenberg. Doch Ablenkung beim Fahren sei heutzutage die Ursache Nummer eins bei Unfällen auf der Autobahn. "Die Menschen beschäftigen sich im Fahrzeug mit ihrem Smartphone oder anderen elektronischen Geräten", sagte der Forscher. Die direkte Folge: Vermehrte Auffahrunfälle. Der Experte sieht die Politik in der Pflicht: So sei der Notbremsassistent für Lkw zwar vorgeschrieben, könne aber auch ausgeschaltet werden. Das müsse sich ändern, forderte Schreckenberg.

Zu breite Autos in Baustellen

Laut Verkehrsforscher Schreckenberg gibt es aber noch ein anderes Problem: Unfälle in Baustellen. Hier gibt es zwar Tempobeschränkungen. Aber auch das ändere nichts daran, dass Baustellen auf Autobahnen oft Unfälle provozieren, sagte der Wissenschaftler. Gefahren entstünden oft dann, wenn Autos die breiteren Lkws überholen oder wenn auf der linken Spur fährt, wer dort eigentlich nichts zu suchen hat: Dort dürfen nämlich nur Fahrzeuge rollen, die von Außenspiegel zu Außenspiegel maximal 2,10 Meter in der Breite messen. Schreckenberg: "Das wird aber zu wenig beachtet und kaum kontrolliert."

Zwei schwere Unfälle in kürzester Zeit

Erst am Mittwochvormittag hatte auf der A2 bei Hannover einen schweren Unfall gegeben, zuvor kam es am Dienstag zu einem weiteren schweren Lkw-Unfall auf der A2 zwischen Hannover-Langenhagen und dem Dreieck Hannover-West. Laut Polizei hatte ein 45-Jähriger ein Stauende übersehen. Er fuhr mit seinem Laster auf den Sattelzug vor ihm auf. Dabei entstand eine Kettenreaktion und vier weitere Lkw wurden aufeinander geschoben. Der Unfallverursacher wurde schwer verletzt. Zwei weitere Fahrer erlitten leichte Verletzungen. Die A2 war Richtung Dortmund stundenlang gesperrt.

Kommunen an Mauteinnahmen beteiligen?

Die Feuerwehren entlang der A2 stoßen durch die zahlreichen Einsätze an ihre Grenzen. Ein Problem bei den Rettungs- und Bergungsarbeiten sei technischer Natur, so Jens Löffler, Gemeindebrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr in Rodenberg (Landkreis Schaumburg) Die Feuerwehren benötigten immer bessere Schneid- und Spreizwerkzeuge. Neues Einsatzgerät müssten die Kommunen bezahlen. Der Schaumburger Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote fordert deshalb, dass die Kommunen Geld vom Bund aus den Mautgebühren erhalten. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums sagte zum Thema Mehrbelastung der Unfallhelfer, dass nach Lösungen gesucht werde. Genauer konkretisieren konnte er es laut NDR 1 Niedersachsen aber nicht.

Weitere Informationen
NDR 1 Niedersachsen

Stundenlange Vollsperrung nach Lkw-Unfall auf A2

NDR 1 Niedersachsen

Bei einem Unfall auf der A2 am Dienstag sind fünf Lkw ineinander geschoben worden. Ein Fahrer wurde schwer verletzt. Die Autobahn war zwischen Langenhagen und Hannover-West dicht. (17.07.2018) mehr

Immer mehr A2-Unfälle: Feuerwehren überlastet

Weil es an der A2 immer häufiger schwere Unfälle gibt, schlägt die Feuerwehr in Rodenberg (Landkreis Schaumburg) nun Alarm: Die Einsatzkräfte seien überlastet, die Ausrüstung zu alt. (17.07.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.07.2018 | 18:00 Uhr

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