Stand: 21.09.2019 08:29 Uhr

"Polarstern"-Expedition: Hannoveranerin reist mit

von Helmut Eickhoff
Friederike Krüger ist Lehrerin in Hannover - und nun auch Expeditionsteilnehmerin. Das Forschungsschiff "Polarstern" soll ein Jahr durchs Nordpolarmeer treiben.

Das Forschungsschiff "Polarstern" ist am Freitag aus dem norwegischen Tromsø, um dann ein Jahr durch die Arktis zu treiben. Mit dabei: die 28-jährige Friederike Krüger, Lehrerin an der IGS Hannover-Bothfeld. Sie ist eine von zwei deutschen Lehrkräften, die die Expedition des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) begleiten. "Ich musste mich aber erst mal dort erkundigen, ob ich überhaupt infrage komme. Schließlich habe ich im Sommer erst mein Referendariat beendet", sagt Krüger. Für sie als Teilnehmerin habe wohl ihre Abschlussarbeit gesprochen, die sie über die weltweite Gletscherschmelze verfasst habe, vermutet die Lehrerin.

Per Eisscholle Richtung Nordpol

Nach dem Start in Tromsø geht es für die "Polarstern" Richtung Norden. Später soll das Forschungsschiff an einer Eisscholle festfrieren, um dann per Eisdrift durch die Arktis zu treiben. Wissenschaftler wollen das nutzen, um ein Netz aus Messstationen aufzubauen und so den Klimawandel zu erforschen. "An keinem anderen Ort der Welt sieht man den Klimawandel in dem Ausmaß wie in der Arktis. Sie ist ein Kippelement des Klimas", sagt Friederike Krüger. Sie wird die meiste Zeit auf dem Begleitschiff "Akademik Federov" verbringen. "Ich werde aber auch immer wieder auf dem Eis und auf der 'Polarstern' selbst sein können." Die Erdkundelehrerin will den Wissenschaftlern, so oft es geht, bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.

Videos drehen, Unterrichtsmaterialien erstellen

"Meine Aufgabe wird sein, Unterrichtsmaterialien für deutsche Schulen zu erstellen", erklärt Friederike Krüger. Sie könne die Inhalte selbst gestalten und Schwerpunkte setzen. Neben dem Klimawandel könnten auch politische Dinge thematisiert werden. "Zum Beispiel die Frage, wem die Arktis gehört und wer dafür verantwortlich ist." Die Reise soll auch multimedial aufgearbeitet werden. Die Lehrerin will die Arbeit der Wissenschaftler filmisch dokumentieren und aus dem Material kleine Erklärvideos drehen. Zudem will sie Audioaufnahmen machen: "Wie hört sich das an, wenn ein Eisbrecher durchs Eis bricht? Was für eine Lautstärke herrscht auf einem solchen Schiff?"

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Dicke Jacken und Heizgeräte

Friederike Krüger hat sich wochenlang auf ihre Reise vorbereitet, vor allem inhaltlich. "Auf dem Schiff habe ich nur beschränkten Internetzugang. Da kann ich nicht mal eben schnell schauen, wie etwas funktioniert oder wie ein Fachbegriff auf Englisch heißt." Sie musste zudem das technische Equipment beschaffen und sich damit vertraut machen. "Ich habe auch diverse Heizgeräte dabei, um Kamera und Mikrofon vor der Kälte zu schützen." Um besonders warme Kleidung brauchte sich Friederike Krüger nicht zu kümmern. Jacken, Mützen und Handschuhe stellt das Bremerhavener Alfred-Wegner-Institut.

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"Die Kollegen haben selbst angeboten, Stunden von mir zu übernehmen. Das ist der Wahnsinn." Friederike Krüger freut sich über die Unterstützung aus dem Kollegium der IGS Bothfeld. Auch Schulleiter Rainer Kamphus stärkt seiner Lehrerin den Rücken. "Schüler, Lehrer, Eltern - wir alle finden es super, dass Friederike Krüger die Arktis-Expedition begleitet." Die Schule profitiere von Erfahrungen der jungen Lehrerin. Nach ihrer Rückkehr Anfang November will sie in Vorträgen Schülern und Lehrern von ihrer Reise berichten. Auch die Landespolitik sieht die Reise positiv. "Es ist eine große Ehre für uns, dass eine niedersächsische Lehrkraft an dieser außergewöhnlichen, höchstrenommierten Expedition teilnehmen wird", sagt Kultusminister Grant Hendrik Tonne. "Ich würde mich freuen, wenn Frau Krüger nach Ihrer Reise von ihren Eindrücken und Erkenntnissen berichten würde und werde sie daher zu uns ins Kultusministerium einladen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.09.2019 | 12:00 Uhr

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