Stand: 16.06.2019 17:46 Uhr

Pistorius: Schlesien hat Platz in vereintem Europa

Beim Deutschlandtreffen der Schlesier wurde reichlich schlesische Kultur präsentiert.

Beim traditionellen Deutschlandtreffen der Schlesier in Hannover hat Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Wochenende die Rolle Schlesiens in einem vereinten Europa betont. Menschen unterschiedlicher Herkunft setzten sich für Schlesien und seine Kultur ein. Das verbinde, so Pistorius. Der Minister sagte es sei wichtig, zu erinnern ohne verbittert zu sein - gerade in Zeiten von erstarkenden Rechtspopulisten sei die Zusammenarbeit wichtig. Pistorius mahnte aber auch: Flucht und Vertreibung seien noch immer aktuelle Themen. Die Empathie dürfe daher nicht verloren werden.

Pistorius: Schlesier wichtig für Aussöhnung

Pistorius lobte zudem den Einsatz der Vertriebenen für die deutsch-polnischen Beziehungen: "Schlesien verbindet die heute dort wohnende Bevölkerung mit den deutschen Heimatvertriebenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen mussten, sowie deren Nachfahren", sagte der Minister. Durch Gespräche mit Verbänden, Politikern und den Menschen vor Ort werde bis heute ein wichtiger Beitrag zur Aussöhnung zwischen Deutschland und Polen geleistet. Der Bundesvorsitzenden der Landmannschaft Schlesien, Stephan Rauhut, übergab Pistorius das sogenannte Schlesier-Schild - die höchste Auszeichnung der Vereinigung.

Boris Pistorius (SPD) wird das Schlesier-Schild verliehen. © NDR

Schlesier-Schild für Boris Pistorius

Zum Abschluss des Schlesiertreffens wurde Boris Pistorius (SPD) am Sonntag das Schlesier-Schild verliehen. Es ist die höchste Auszeichnung der Landsmannschaft Schlesien.

3,5 bei 8 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Sprichwörter bedeuten Heimat

In Hannover kamen von Freitag bis Sonntag mehrere Tausend Teilnehmer beim Deutschlandtreffen der Landsmannschaft Schlesien zusammen. Neben Darbietungen schlesischer Kultur gab es auch einen ökumenischen Gottesdienst vor der Marktkirche. Der ostfriesische Regionalbischof Detlef Klahr ging in seiner Predigt auf schlesische Sprichwörter wie "Ärgern ist nicht christlich" ein. Sich an die Sprichwörter der Väter und Mütter zu erinnern, bedeute auch, Vertrautes und Heimatliches mit sich zu tragen. Sprücheklopfer dagegen habe die Welt genug, so Klahr.

Eklat vor Treffen 2013

Nicht immer jedoch verliefen die seit 12 Jahren in Niedersachsen stattfindenden Schlesiertreffen derart reibungslos: 2013 hatte Pistorius (SPD) seine Teilnahme sogar abgesagt, ebenso Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU). Der damalige Vorsitzende der Landsmannschaft, Rudi Pawelka, hatte zuvor Polen und Tschechien aufgefordert, sich für die Vertreibung von Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg zu entschuldigen und die Vertriebenen zu entschädigen. Zwei Jahre zuvor soll Pawelka gesagt haben, dass die Polen "am Holocaust beteiligt" gewesen seien. Mit der Wahl von Rauhut zum neuen Bundesvorsitzenden 2013 läuteten die Schlesier einen Generationen- und Kurswechsel ein. Seitdem steht auch der Ausbau der grenzüberschreitenden Aktivitäten mit Polen im Fokus.

In Niedersachsen fanden mehr als 700.000 Vertriebene aus Schlesien nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Heimat. Seit 1950 ist Niedersachsen Patenland der Schlesier.

 

Weitere Informationen

Scharfe Kritik an Schlesier-Vorsitzendem

Der Chef der Landsmannschaft Schlesien, Pawelka, hat in Hannover mit antipolnischen Parolen für Wirbel gesorgt. Innenminister Pistorius bekräftigte seine Ablehnung der Äußerungen. (23.06.2013) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 14.06.2019 | 10:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

01:08
Niedersachsen 18.00