Stand: 27.12.2018 19:42 Uhr

Pflegekammer: Hohe Beiträge verärgern Mitglieder

Mehr als 80.000 Pflegekräfte in Niedersachsen sind in der neuen Pflegekammer organisiert. Ob sie wollen oder nicht: Die Mitgliedschaft ist Pflicht. Die Kammer soll eine starke Stimme für die Pflegebranche sein, doch die im Sommer eingerichtete Behörde steht wieder einmal in der Kritik. Kurz vor Weihnachten hatten die Mitglieder Beitragsbescheide bekommen. Darin verlangt die Kammer von allen Mitgliedern den Höchstbetrag von 140 Euro pro Halbjahr - diese Summe entspricht einem Brutto-Jahresgehalt von 70.000 Euro. Allerdings verdient kaum jemand in der Pflegebranche so viel Geld. Das Vorgehen der Kammer sorgt bei Mitgliedern gerade im Internet für großen Unmut, berichtet NDR 1 Niedersachsen.

Kritik aus dem Ministerium

Auch das niedersächsische Sozialministerium in Hannover reagierte verwundert: Die Bescheide kurz vor Weihnachten zu verschicken, und dann mit dem Höchstsatz zu drohen, das sei unglücklich gewesen, hieß es dort. "Wir hätten uns gewünscht, dass eine neue Institution, mit der die Pflegekräfte künftig besser vertreten werden, erst einmal Vertrauen aufbaut und ihre Stärken deutlich macht", sagte Staatssekretär Heiger Scholz. Mit ihrem "unsensiblen Vorgehen" habe die Pflegekammer viele Pflegekräfte vor den Kopf gestoßen.

Pflegekammer will Verfahren prüfen lassen

Die Pflegekammer selbst reagierte bereits und bedauert den Unmut der Mitglieder. Die Behörde verwies aber darauf, dass kaum jemand den angekündigten höchsten Mitgliedsbeitrag auch wirklich zahlen muss: Wenn die Fachkräfte ihr echtes Einkommen über ein Formular schriftlich mitteilen, dann wird ein neuer Bescheid verschickt - mit deutlich niedrigeren Mitgliedsbeiträgen. Um Missverständnisse zu vermeiden, will die Pflegekammer aber prüfen, ob sich das Verfahren künftig nicht einfacher machen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.02.2020 | 08:00 Uhr

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