"Politik des Aufbruchs": Grüne unterstützen Baerbock

Stand: 19.04.2021 19:51 Uhr

Die in Hannover geborene Annalena Baerbock tritt als Kanzlerkandidatin der Grünen bei der Bundestagswahl an. Von den Grünen in Niedersachsen kommt viel Zuspruch.

Am Montagvormittag hatte der Bundesvorstand der Grünen die 40-Jährige für den Spitzenposten nominiert. "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieses Land einen Neuanfang braucht", sagte Baerbock anschließend. Sie trete an für Erneuerung, für den Status Quo stünden andere. Formal bestätigt werden muss die Entscheidung noch auf einem für den 11. bis 13. Juni geplanten Parteitag. Die Zustimmung gilt als sicher.

Habeck: "Am Ende kann es nur eine machen"

Die Grünen hatten es ihren beiden Parteivorsitzenden überlassen, sich geräuschlos untereinander über die K-Frage zu verständigen. Baerbock lag in Umfragen zuletzt vorn und hat als Frau gemäß der Partei-Statuten das Vorgriffs-Recht. "Wir beide wollten es, aber am Ende kann es nur eine machen", sagte Habeck am Montag. Der 51-Jährige beschrieb Baerbock als "kämpferische, fokussierte, willensstarke Frau", die genau wisse, was sie wolle.

Stefan Wenzel begrüßt die Entscheidungsfindung

Dem ehemaligen grünen Landesumweltminister und Göttinger Landtagsabgeordneten Stefan Wenzel gefällt nach eigenen Angaben, dass Habeck und Baerbock im Team entschieden haben, wer in den Ring steigt. Dass sie nun Baerbock nominiert haben, findet Wenzel richtig: "Sie ist entscheidungsstark und sie kennt sich bestens aus bei dem Thema Klima - eine zentrale Herausforderung unserer Generation", sagte er dem NDR in Niedersachsen.

Die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Annalena Baerbock. © picture alliance/dpa Foto: Kay Nietfeld
AUDIO: Porträt: Das ist die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (3 Min)

Jürgen Trittin: Baerbock steht für Veränderung des Landes

Auch der Göttinger Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin, ein Grünen-Urgestein, begrüßte die Nominierung. "Wir wollen Annalena ins Kanzlerinnenamt bringen, weil sie dafür steht, dass dieses Land verändert werden muss", sagte er. Sie habe jahrelang für die Fraktion als Europareferentin gearbeitet und mit ihrer Tätigkeit als Landesvorsitzende in Brandenburg gezeigt, dass sie auch vor schwierigen Aufgaben nicht zurückschrecke. Das sei eine gute Grundlage. "Entscheidend ist, wie schnell Menschen in diesem Amt lernen. Und da bin ich zutiefst überzeugt, dass Annalena Baerbock die beste Wahl ist."

Viola Cramon sieht wahlkampftaktischen Vorteil mit Blick auf Union

Die Grünen-Europaabgeordnete Viola von Cramon aus der Nähe von Göttingen sieht in der Nominierung von Baerbock einen wahlkampftaktischen Vorteil für die Grünen: "Angesichts der Alpha-Männchen, die in den anderen Parteien noch um die Kandidatur ringen, ist das mit Annalena ein absoluter Joker." Jetzt müssten die Grünen auch mit den Inhalten weiter liefern.

Landes-Grüne: "Rückenwind für die Kommunalwahlen in Niedersachsen"

Die Landes-Grünen sehen in der Entscheidung ein Zeichen des Aufbruchs. "Annalena steht für eine Politik auf der Höhe der Zeit, für den nötigen Aufbruch, endlich entschlossen die Zukunft zu gestalten", sagte der Landesvorsitzende Hanso Janßen. Sie stehe für eine dialogorientierte Politik mit klarem Ziel: Zukunftsinvestitionen und klimagerechter Wohlstand für alle, sichere Gesundheitsversorgung, gute Arbeit und faire Löhne, für mehr Bildungsgerechtigkeit und eine moderne Infrastruktur. Außerdem verfüge Baerbock über Energie und Empathie. Die Grünen-Landesvorsitzende Anne Kura sagte: "Diese Kandidatur gibt uns Rückenwind für den Bundestagswahlkampf und auch für die Kommunalwahlen in Niedersachsen am 12. September."

Politikwissenschaftler sieht "folgerichtigen Schritt"

Der Braunschweiger Politikwissenschaftler Nils Bandelow hat die Entscheidung für Baerbock als grüne Kanzlerkandidatin als folgerichtig bezeichnet. Es sei am Ende klar gewesen, dass nur die 40-Jährige die Spitzenkandidatin werden konnte, sagte Bandelow. Es habe nichts mehr wirklich für Robert Habeck gesprochen. Auch in den Umfragen, in denen Habeck Ende vergangenen Jahres noch besser dastand, habe nun Baerbock vorn gelegen. Zudem würden die Grünen im Zweifelsfall die Frau als Kandidatin bevorzugen.

Erste Kanzlerkandidatur bei den Grünen überhaupt

Für die Grünen ist es das erste Mal, dass sie jemanden für die Kanzler- oder Kanzlerinnenkandidatur aufstellen. Zu diesem Schritt hatte sich die Partei angesichts der seit 2018 hohen Umfragewerte entschieden. Aktuell sind die Grünen mit mehr als 20 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der Union und liegen deutlich vor der SPD. Die Bundestagswahl findet am 26. September statt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.04.2021 | 12:00 Uhr

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