Niedersachsens Politiker analysieren die Bundestagswahl

Stand: 27.09.2021 11:00 Uhr

Freude und Enttäuschung: In Hannover haben sich am Morgen Generalsekretäre und Landesvorsitzende der sechs im Niedersächsischen Landtag vertretenen Parteien zum Ausgang der Bundestagswahl geäußert.

Große Zufriedenheit herrscht erwartungsgemäß bei der SPD. "Wir freuen uns über ein megastarkes Ergebnis, gerade auch in Niedersachsen", sagte Generalsekretärin Hanna Naber. "Besonders schön ist, dass wir landesweit 22 von 30 Wahlkreisen direkt erringen konnten. Das ist ein toller Erfolg." Naber betonte, dass 25 Genossinnen und Genossen aus Niedersachsen in den neuen Bundestag einziehen werden - fünf mehr als 2017. Konkrete Rückschlüsse auf die Landtagswahl im kommenden Jahr wollte Naber noch nicht ziehen. Das Ergebnis bedeute keinen Automatismus, ein Jahr sei lang in der Politik, sagte sie. "Wir werden aber noch motivierter in den Landtagswahlkampf einsteigen. Diese tolle Leistung wird uns sehr anspornen."

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CDU hofft auf Jamaika-Koalition

Ganz anders ist die Stimmungslage bei der CDU, die deutliche Verluste hinnehmen musste und hinter der SPD nur zweitstärkste Partei wurde. "Wir sind natürlich enttäuscht über das Ergebnis. Das liegt weit unter unseren Ansprüchen", sagte CDU-Generalsekretär Sebastian Lechner. Er betonte allerdings, dass es weiter eine Chance auf eine Jamaika-Koalition mit Armin Laschet als Bundeskanzler gebe. "Wir werden uns geschlossen für eine Zukunftskoalition mit FDP und Grünen einsetzen", so Lechner. Eine Schwächung des CDU-Landesvorsitzenden Bernd Althusmann durch das magere Ergebnis sieht er nicht: "Wir haben eine große Herausforderung in einem Jahr und werden geschlossen mit Althusmann als Spitzenkandidat in die Wahl gehen."

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Grüne nur bedingt zufrieden

Mit "gemischten Gefühlen" bewerteten die Grünen-Landesvorsitzenden Anne Kura und Hans-Joachim Janßen das Wahlergebnis. "Wir haben die größten Zuwächse und sind drittstärkste Kraft, das ist ein Grund zur Freude", sagte Janßen. "Aber es ist auch klar, dass wir das hochgesteckte Ziel, eine Kanzlermehrheit zu bekommen, verfehlt haben." Kura betonte, dass ihre Partei in Niedersachsen deutlich zugelegt habe. "Wir stellen im Bundestag künftig 13 statt sechs Abgeordnete", sagte sie. "Das ist ein Grund zur Freude." Ob die Grünen bei der Landtagswahl im kommenden Jahr eine Kandidatin oder einen Kandidaten für das Ministerpräsidenten-Amt stellen wollen, ließen die Landesvorsitzenden offen. Die Frage stelle sich noch nicht, sagten Kura und Janßen unisono. Man gehe aber auf jeden Fall gestärkt aus der Bundestagswahl hervor.

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Bode lässt Optionen für FDP offen

Dies dürfte auch für die FDP gelten. "Es war ein wunderschöner Abend für uns", sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Jörg Bode. "Zum ersten Mal haben wir ein zweistelliges Ergebnis nicht nur halten, sondern sogar ausbauen können." Bode freute sich vor allem darüber, dass seine Partei zusammen mit den Grünen das beste Ergebnis bei Jung-und Erstwählern erzielen konnte. Hinsichtlich einer bevorzugten Koalition im Bund wollte sich der frühere niedersächsische Wirtschaftsminister nicht festlegen. "Wir haben sicher die meisten Übereinstimmungen mit der Union, müssen aber aus den alten Lagern herauskommen", sagte er. Das Leben sei nun mal "kein Wunschkonzert". Es dürfe aber auf keinen Fall so weitergehen wie bisher.

AfD zufrieden, Linke am Boden zerstört

Trotz Stimmverlusten zeigte sich auch der AfD-Landesvorsitzende Jens Kestner mit dem Abschneiden seiner Partei zufrieden. "2017 hat man gesagt, dass wir nach einer Legislaturperiode wieder weg sind", betonte er. Das habe man eindrucksvoll widerlegt. "Wir haben eine Stammwählerschaft und eine Basis, auf die wir aufbauen können", so Kestner. Große Enttäuschung herrscht dagegen bei der Linken, die auf 4,9 Prozent abstürzten und nur dank dreier Direktmandate erneut in den Bundestag einzogen. "Das ist für uns eine bittere Niederlage, da gibt es nicht schönzureden", sagte der Landesvorsitzende Lars Leopold. "Wir müssen unsere Taktik jetzt wie nach einem Fußballspiel intern in der Kabine auswerten." Die stellvertretende Landesvorsitzende Ursula Weisser-Roelle ergänzte, dass möglicherweise für die Landtagswahl eine andere Strategie gewählt werden müsse. "Jede Niederlage bietet eine Chance", sagte sie.

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Aktuell | 27.09.2021 | 09:00 Uhr

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