Stand: 12.03.2020 07:53 Uhr

Niedersachsen will bei Düngeverordnung nachbessern

Ein Landwirt düngt mithilfte der Schleppschlauchtechnik ein Feld. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
Niedersachsen will bei den Düngevorgaben die Messwerte im Sickerwasser statt im Grundwasser heranziehen.

Am 3. April stimmt der Bundesrat über die Düngeverordnung ab. Vorher will Niedersachsen nachträgliche Änderungen am Kompromiss von EU und Bundesregierung durchsetzen - zum Beispiel als Grundlage für die Düngevorgaben die Messwerte im Sickerwasser nahe der Erdoberfläche heranzuziehen und nicht die im Grundwasser. Damit soll laut Landwirtschaftsministerium in Hannover erreicht werden, dass nur die Verursacher zu hoher Nitratwerte die Einschränkungen hinnehmen müssen. Außerdem gebe es Nachbesserungsbedarf bei der "Kontrollierbarkeit und Plausibilisierung der Düngedaten", sagte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). Heute wollen sich die Landwirtschafts- und Umweltminister der Länder in Berlin zu Nachverhandlungen treffen.

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Traktoren stehen vor dem Aldi-Zentrallager. © Nord-West-Media TV

Ringen um die neue Düngeverordnung

Der Bundesrat muss bis Anfang April für die neue Düngeverordnung eine Mehrheit finden. Es drohen hohe Strafzahlungen. Bei den Ländern gibt es noch viel Unmut. Mehr bei tagesschau.de. extern

System soll Nährstoffe erfassen

Hintergrund: Niedersachsen braucht eine rechtliche Grundlage, um sein neues System zur elektronischen Erfassung von Nährstoffmeldungen (ENNI) in vollem Umfang weiter betreiben zu können. Mithilfe des Systems sollen die Angaben von Tierhaltern überprüft werden.

Der Streit um die "roten Gebiete"

Niedersachsen will in den betroffenen Gebieten das "Verursacherprinzip" in den Mittelpunkt zu rücken. Demnach sollen nicht mehr pauschal alle Landwirte in den "roten Gebieten" mit weniger Dünger auskommen müssen, sondern nur diejenigen "deren Düngeverhalten ursächlich für das Nitratproblem ist".

Kaum noch Spielraum für Änderungen

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Laut EU-Kommission tut Deutschland allerdings zu wenig, um das Grundwasser vor zu viel Nitrat zu schützen. Die Bauern befürchten mit der neuen Verordnung geringere Erträge. Nach der Einigung mit Brüssel vor gut zwei Wochen hat der Bund allerdings deutlich gemacht, dass es kaum noch Spielraum für Änderungen gebe. Es drohten Millionenstrafen und eine weitere Klage gegen Deutschland.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.03.2020 | 08:00 Uhr

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