Stand: 15.10.2019 13:33 Uhr

Niedersachsen bekommt Antisemitismus-Beauftragten

In Niedersachsen wird es ab dem 1. November einen Antisemitismus-Beauftragten geben. Franz Rainer Enste wird das Amt übernehmen, wie die Landesregierung am Dienstag mitteilte. Die Berufung eines Beauftragten gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens sei bereits vor dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle (Sachsen-Anhalt) geplant gewesen. Durch den Terrorakt habe sie eine bittere Aktualität bekommen, hieß es vonseiten der rot-schwarzen Landesregierung. Enste soll künftig zentraler Ansprechpartner für jüdische Verbände und Menschen jüdischen Glaubens in Niedersachsen sein. Er soll außerdem jedes Jahr einen Bericht über Antisemitismus erstellen, Maßnahmen zu dessen Bekämpfung entwickeln und möglichst viele Bürger dafür sensibilisieren.

Franz Rainer Enste

Niedersachsen reagiert auf Anschlag von Halle

Niedersachsen 18.00 -

Der frühere Regierungssprecher Franz Rainer Enste wird künftig ehrenamtlich als Beauftragter für Antisemitismus und den Schutz jüdischen Lebens in Niedersachsen tätig sein.

3,27 bei 11 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Havliza: "Jüdisches Leben muss geschützt werden"

"Wir wollen alles in unserer Macht Stehende dafür tun, dass Menschen jüdischen Glaubens auch in Zukunft gerne in Niedersachsen leben, dass sie hier sicher sind und sich willkommen fühlen", sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Dazu gehöre auch, dass Menschen Zeichen ihres Glaubens in der Öffentlichkeit tragen und eine Synagoge besuchen können, ohne Angst haben zu müssen. Justizministerin Barbara Havliza (CDU) sagte: "Es ist großartig, dass jüdisches Leben zu Niedersachsen gehört." Es müsse jedoch geschützt werden. Enste kenne in Niedersachsen jeden Winkel, so die Ministerin.

Gute Kontakte zu jüdischen Organisationen

Bild vergrößern
Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Justizministerin Barbara Havliza (CDU) haben den Antisemitismus-Beauftragten am Dienstag vorgestellt.

Der 66-Jährige war zunächst als Richter in Lüneburg und Stade tätig. Später war er fast 20 Jahre lang Sprecher des Niedersächsischen Landtags und von 2010 bis zum Regierungswechsel Anfang 2013 Sprecher der Landesregierung. Der Christdemokrat pflegt gute Kontakte zu jüdischen Organisationen und engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich für soziale Aufgaben und die Demokratieförderung. Das Ehrenamt des Antisemitismus-Beauftragten ist formal dem Justizministerium zugeordnet. Er arbeite jedoch sachlich unabhängig und sei nicht an Weisungen gebunden, hieß es. Antisemitismus-Beauftragte gibt es auch in anderen Bundesländern. Auf Bundesebene übt der Diplomat Felix Klein das Amt aus.

7.800 Juden leben in Niedersachsen

Nach Angaben der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland leben in Niedersachsen gut 7.800 Juden. Laut Verfassungsschutz war die Zahl antisemitischer Straftaten in Niedersachsen im vergangenen Jahr von 128 auf 99 gesunken. Davon seien 92 Taten rechtsmotiviert gewesen. In den meisten Fällen habe es sich um Schmierereien und Beleidigungen gehandelt.

Weitere Informationen

Franz Rainer Enste wird Antisemitismus-Beauftragter

Der Jurist Franz Rainer Enste wird erster Landesbeauftragter gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens in Niedersachsen. Auf NDR Kultur spricht er über sein neues Amt. mehr

08:02
Hallo Niedersachsen

Synagogen beklagen mangelnden Polizeischutz

10.10.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Nach dem Attentat in Halle haben jüdische Einrichtungen mangelnden Polizeischutz beklagt. Sie fordern Politik und Justiz auf, wachsamer im Kampf gegen Rechtsextremismus zu sein. Video (08:02 min)

Hunderte Menschen bei Mahnwache in Hannover

In mehreren Städten Niedersachsens hat es am Donnerstag Mahnwachen und Solidaritätsaktionen gegeben. In Hannover erinnerten mehrere Hundert Menschen an die antisemitische Bluttat in Halle. (10.10.2019) mehr

Fürst: "Fühle mich durchaus sicher in diesem Land"

Nach den tödlichen Schüssen in Halle werden auch in Niedersachsen jüdische Institutionen stärker bewacht. NDR 1 Niedersachsen sprach mit Michael Fürst, dem Landesverbands-Vorsitzenden. (09.10.2019) mehr

Kirche im NDR

"Rette uns": Der antisemitische Angriff von Halle

Kirche im NDR

Der 9. Oktober ist der höchste jüdischen Feiertag: Jom Kippur. In Halle endet dieser Tag böse und bitter. Bei einem mutmaßlich rechtsextremen Anschlag auf die Synagoge sterben Menschen. (10.10.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.10.2019 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:13
Hallo Niedersachsen
01:14
Hallo Niedersachsen
04:20
Hallo Niedersachsen