Stand: 13.11.2018 21:47 Uhr

Neue Missbrauchsvorwürfe gegen Ex-Bischof Janssen

Gegen den ehemaligen Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) gibt es einen neuen Missbrauchsvorwurf. Dies teilte das Bistum Hildesheim mit. Der amtierende Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer erklärte am Dienstag, dass sich ein heute 70-Jähriger bei ihm gemeldet habe. Der Mann habe angegeben, ab dem Jahr 1957 gleich von mehreren Kirchenmitarbeitern sexuell missbraucht worden zu sein, darunter auch dem damaligen Bischof Janssen. Es ist bereits der zweite Missbrauchsvorwurf gegen Janssen. Vor drei Jahren hatte ein früherer Messdiener von sexuellem Missbrauch durch Ex-Bischof Janssen berichtet.

Archivbilder von Bischof Janssen

Neue Missbrauchsvorwürfe gegen Bischof Janssen

Hallo Niedersachsen -

Ein weiterer Betroffener wirft dem früheren Hildesheimer Bischof Janssen sexuellen Missbrauch vor. Ein ehemaliges Heimkind hat sich dem Bistum anvertraut.

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Wilmer: "Wütend und traurig"

Bischof Wilmer erklärte, es mache ihn "wütend und traurig", was dem Mann offenbar angetan wurde. "Es zerreißt mir das Herz angesichts dessen, was der Betroffene uns mitgeteilt hat." Der Mann hatte sich nach Wilmers Angaben am 3. Oktober an den Bischof gewandt, nachdem das Bistum allen Opfern sexualisierter Gewalt im September ein Gesprächsangebot gemacht hatte.

Mehrere Täter beschuldigt

Der 70-Jährige, der früher Messdiener in Hildesheim war, berichtete demnach, dass er sich vor dem damaligen Bischof Jansen habe ausziehen müssen. Er sei von Jansen dann mit den Worten weggeschickt worden, er könne ihn nicht gebrauchen. Als weitere Täter nannte der Mann laut Wilmer den Leiter des damaligen Hildesheimer Kinderheims "Bernwardshof", einen Priester und einen Kaplan am damaligen Hildesheimer Kinderheim "Johannishof". Beide beschuldigten Geistlichen sind dem Bistum bereits als mutmaßliche Täter bekannt. Sie sind gestorben.

Externe Untersuchung angekündigt

Als Reaktion auf die Schilderungen des Mannes kündigte Bischof Wilmer an, den aktuellen Fall durch eine externe Untersuchungsgruppe aufklären zu lassen. "Sexualisierte Gewalt ist kein Versagen, sondern ein Verbrechen. Das verlangt Aufklärung sowie klares und konsequentes Handeln von uns", so der Bischof, der bei seiner Amtsübernahme größtmögliche Offenheit im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen versprochen hatte.

Treffen mit Justizministerin Havliza

Zudem hatte er angekündigt, Akten der Kirche offenzulegen. Am Freitag wird dies nun offenbar konkreter - dann ist ein Treffen mit Justizministerin Barbara Havliza (CDU) geplant. Dabei soll es unter anderem darum gehen, wie die Offenlegung der Akten konkret erfolgen könnte. Neben Wilmer werden an dem Treffen Bischof Franz-Josef Bode (Bistum Osnabrück) sowie Weihbischof Wilfried Theising (Bistum Münster) teilnehmen, wie ein Sprecher des Justizministeriums NDR.de sagte. Havliza (CDU) hatte zuvor von den Bistümern gefordert, den Staatsanwaltschaften Einblick in die Unterlagen zu gewähren.

Studie: Mindestens 153 Opfer in Hildesheim

Nach einer Ende September anlässlich der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Studie gab es im Bereich des Bistums Hildesheim in den vergangenen Jahrzehnten mindestens 153 Menschen Opfer von sexualisierter Gewalt. Die mutmaßlichen Täter, meist Priester, sind überwiegend vor Jahren gestorben.

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Hallo Niedersachsen | 13.11.2018 | 19:30 Uhr

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