Nach Wolfsabschuss: Kritik an Umweltminister Lies

Stand: 11.02.2021 21:07 Uhr

Im Landkreis Emsland ist in der Nacht zu Donnerstag ein weiblicher Wolf geschossen worden. Laut Umweltminister Olaf Lies (SPD) lag dafür eine Ausnahmegenehmigung vor.

Diese habe aus Tierschutzgründen bis zum 15. April gegolten. Der Kadaver werde derzeit genetisch untersucht, um das Tier einwandfrei zu identifizieren. Die Wölfin gehörte Lies zufolge zu einem Rudel in Herzlake, das für größere Schäden verantwortlich gemacht wird. Die Ausnahmegenehmigung war demnach örtlich begrenzt auf Löningen, Lastrup (Landkreis Cloppenburg), Berge, Bippen, Menslage (Landkreis Osnabrück) sowie Herzlake, Dohren, Lähden, Hüven und Lahn im Landkreis Emsland. Der Abschuss sei voll durch das Bundesnaturschutzgesetz gedeckt, sagte der Minister.

Für weiteren Wolf liegt Abschussgenehmigung vor

Tiere des Rudels hätten mehrfach Herdenschutzmaßnahmen überwunden. Laut Lies wurden seit Ende 2018 mehr als 500 Schafe gerissen. "Dabei ist allein einem Schäfer, der dort tätig ist, ein Schaden von ungefähr 50.000 Euro entstanden. Wir selbst haben dort in der Region 40.000 Euro für Herdenschutzmaßnahmen ausgegeben", sagte Lies. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat im vergangenen September eine weitere Ausnahmegenehmigung für einen männlichen Wolf des Rudels erteilt.

Tierschützer fordern mehr Transparenz vom Land

Die Umweltverbände WWF und NABU kritisierten die "geheimen Abschusslisten" der Landesregierung. Niemand wisse, wie viele Tiere und welche Wölfe dort aufgeführt seien. Informationen über sogenannte "Ausnahmegenehmigungen vom strengen Schutz" würden unvollständig herausgegeben. Auskunft über die betroffenen Landkreise und Wolfsindividuen werde verweigert. Zudem sei der Herdenschutz nicht ausreichend. Der WWF hat angekündigt juristisch zu prüfen, ob das Land transparenter arbeiten müsse. Der NABU hat nach eigenen Angaben eine Beschwerde bei der Europäischen Union eingereicht, in der auf die Mängel in der neuen Wolfsverordnung des Landes hingewiesen werde.

Grüne: Lies begibt sich "auf sehr dünnes Eis"

Kritik kam von den Grünen. Der Abschuss eines Wolfes sei "kein guter Tag für den Artenschutz in Niedersachsen", sagte der Landtagsabgeordnete Christian Meyer. Ob die strengen Voraussetzungen für die Tötung eines sogenannten Problemwolfes vorlagen, habe durch die "Geheimniskrämerei" des Umweltministeriums nicht gerichtlich überprüft werden können. Meyer bezweifelt die rechtliche Grundlage. Lies begebe sich "auf sehr dünnes Eis" und bringe die Jäger in rechtliche Schwierigkeiten.

CDU: Wolf gehört ins Jagdrecht

Unterstützung bekam Lies vom Koalitionspartner. "Es ist gut, dass der Staat hier gezeigt hat, dass er handlungsfähig ist. Zum Schutz des Erlegers und seiner Familie hoffen wir, dass Minister Olaf Lies alles unternimmt, um dessen Anonymität sicherzustellen", sagte der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Martin Bäumer. "Ein Leben mit dem Wolf ist möglich, funktioniert in unserer Kulturlandschaft aber nur mit konsequentem Handeln." Bäumer forderte Lies auf, beim Bund für eine Aufnahme ins Jagdrecht mit Untergrenze zu kämpfen.

Weitere Informationen
Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.02.2021 | 18:00 Uhr

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