Detailaufnahme einer Spritze © Colourbox Foto: Skrypko levgen

Nach Impfung: Abmahnung für Langenhagener Klinik-Direktoren

Stand: 12.02.2021 13:53 Uhr

Die Direktoren der Geriatrie Langenhagen haben zugegeben, dass zwei von ihnen eine Corona-Impfung erhalten haben, obwohl sie noch nicht an der Reihe waren. Deshalb wurden sie diese Woche abgemahnt.

von Christina Harland

Es handelte sich dabei um die Pflegedirektorin und den kaufmännischen Direktor. Veranlasst hatte die Impfung offenbar der ärztliche Direktor. Nach Darstellung eines Sprechers des Krankenhaus-Verbundes Klinikum Region Hannover (KRH), zu dem die Klinik in Langenhagen gehört, habe dieser die geltende Priorisierung nach Impfkategorie eins bis drei falsch ausgelegt, als er seinen Kollegen die Impfung anbot. Nach einem Entschuldigungsschreiben des Direktoriums an die Belegschaft hatte das KRH arbeitsrechtliche Konsequenzen geprüft. NDR Recherchen hatten den Prozess ins Rollen gebracht.

Weitere Informationen
Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht einen Covid-19-Impfstoff für eine Impfung auf eine Spritze. © picture alliance/Sven Hoppe Foto: Sven Hoppe

Corona-Impfung: In Niedersachsen ist siebte Dosis möglich

Ab sofort darf aus Biontech/Pfizer-Ampullen eine weitere Impfdosis entnommen werden. Reste sollen verimpft werden. (12.02.2021) mehr

Keine fristlose Kündigung trotz schwerwiegender Verstöße

Im Intranet des Klinikverbundes wurde nun bekanntgegeben, dass die Prüfung mit den erteilten Abmahnungen abgeschlossen sei. In dem Schreiben heißt es: "Nach Bewertung der Geschäftsführung liegen schwerwiegende Verstöße bei der Umsetzung von externen und internen Regelungen sowie gegen die Vorbildfunktion vor. Die Notwendigkeit einer fristlosen Kündigung wurde geprüft." Allerdings habe keines der Direktoriumsmitglieder versucht, sich aus eigenem Antrieb einen Vorteil zu verschaffen. Alle drei hätten an der Aufklärung und Aufarbeitung der Fehler konstruktiv mitgearbeitet, sich öffentlich entschuldigt und den eigenen Fehler eingestanden, heißt es.

Impfung des ärztlichen Direktors nicht zu beanstanden

Der Fehler des ärztlichen Direktors habe darin bestanden, die Liste nicht mit der gebotenen Sorgfalt erstellt und geprüft zu haben. Seine eigene Impfung sei nicht zu beanstanden, weil er als Oberarzt an zwei KRH-Standorten klinisch tätiger geriatrischer Chefarzt sei. Die beiden anderen Direktoriumsmitglieder hätten das Impfangebot des Kollegen aber nicht annehmen dürfen.

Betriebsratsmitglieder distanzieren sich

Viele Betriebsräte des KRH Langenhagen reagieren enttäuscht auf die milden Konsequenzen: "Das Verhalten der Direktoren ist aus unserer Sicht im höchsten Maße unsolidarisch. Es stößt bei unseren Mitarbeitern auf Unverständnis, wie es möglich ist, in solch einer Position von versehentlichen und unbedachten Handlungen zu sprechen", heißt es in einem inoffiziellen Schreiben an den NDR. In der Belegschaft hatten die Vorfälle große Empörung und Misstrauen ausgelöst. Eine langjährige Fachkraft schrieb dem NDR: "So etwas habe ich in fast 30 Jahren beim KRH noch nicht erlebt.

Videos
Die Ubbo-Emmius Klinik in Ostfriesland.
2 Min

Corona kompakt: Vordränglern droht ein Bußgeld

Offenbar haben sich Klinik-Mitarbeitende nicht an die Impfreihenfolge gehalten. Außerdem: Kaum Spielraum für Lockerungen. (09.02.2021) 2 Min

"Impfvordrängler" - ein bundesweites Problem

Doch "Impfvordrängler" gibt es nicht nur in der Region Hannover: So wurden unter anderem auch der Peiner Landrat und der Chef des Klinikverbundes Aurich-Emden-Norden vorzeitig geimpft. Das Problem besteht auch über Niedersachsen hinaus: Eine Recherche der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ergab, dass in mindestens neun Bundesländern Menschen gegen Corona geimpft wurden, die noch gar nicht an der Reihe waren. Dabei kamen unter anderem Kommunalpolitiker zum Zug. In den meisten Fällen wurde dies mit übrig gebliebenen Dosen begründet. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert Strafen bei Verstößen gegen die Impf-Reihenfolge.

Weitere Informationen
Ein Tropfen hängt an der Nadel einer Spritze. © dpa-Bildfunk Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Vorzeitige Impfung: Klinikmanager entschuldigen sich

Das Klinikum Region Hannover erwägt offenbar arbeitsrechtliche Konsequenzen. Auch in Peine gibt es einen ähnlichen Fall. (06.02.2021) mehr

Nahaufnahme einer Impfspritze © photocase Foto: willma...

Auch Manager im Klinikum Region Hannover vorzeitig geimpft

Nach NDR Informationen hat der ärztliche Direktor der Geriatrie in Langenhagen die Impf-Vorgaben falsch ausgelegt. (05.02.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 12.02.2021 | 13:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Der ehemalige Landrat von Hameln-Pyrmont Tjark Bartels (SPD) spricht bei einer Pressekonferenz. © picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte Foto: Julian Stratenschulte

Missbrauch in Lügde: Ex-Landrat prangert Behördenversagen an

Kritik an Bartels klarer Aussage im Untersuchungsausschuss in NRW kommt aus der CDU im Kreistag Hameln-Pyrmont. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen