Stand: 22.02.2020 18:03 Uhr

Nach Hanau: Hunderte demonstrieren gegen Rassismus

Polizeifahrzeuge stehen vor einem Tatort im Hanauer Stadtteil Kesselstadt. © dpa-Bildfunk Foto: Boris Roessler
Zehn Menschen und der mutmaßliche Täter sind bei dem Anschlag in Hanau gestorben.

Nach den tödlichen Schüssen in Hanau haben am Sonnabend in Niedersachsen Menschen gegen Rechtsextremismus und Rassismus demonstriert. In Braunschweig gingen rund 700 Menschen auf die Straße. "Wir müssen gegen die alltäglichen Diskriminierungen vorgehen", forderte der Sprecher des Braunschweiger "Bündnis gegen Rechts", Sebastian Wertmüller. Zudem brauche es wachsame Sicherheitskräfte und mehr Mittel gegen Rassismus und für Demokratie. In Wolfsburg gingen laut Veranstalterangaben rund 200 Demonstrierende auf die Straße.

Propst: "Rechte Gewalt wird zu wenig wahrgenommen"

Ein breites Bündnis aus Kirchen und Gewerkschaften hatte in Wolfsburg zur Mahnwache vor dem Rathaus eingeladen. Mahnwachen seien auch nach den Taten von Hanau, Halle und Christchurch keine Routine, sondern "bestürzende Wiederholungen", sagte Vorsfeldes Propst Ulrich Lincoln. Mit einem "Gebet der Religionen" mit Vertretern der christlichen Kirchen, der jüdischen und muslimischen Gemeinden sollte ein verbindendes Zeichen gesetzt werden. "Rechtsradikale Gewalt werde viel zu wenig wahrgenommen", so Lincoln. Der Terrorakt von Hanau erschüttere ihn zutiefst.

VIDEO: Anschlag in Hanau: Niedersachsen gedenkt der Opfer (2 Min)

3.000 Menschen gehen in Hannover auf die Straße

Bereits am Freitag hatten an vielen Orten in Niedersachsen Menschen gegen Rassismus und Rechtsextremismus demonstriert. In Hannover waren 3.000 zur Mahnwache an der Marktkirche gekommen. Mit einer Schweigeminute gedachten sie der Opfer. "Uns verbindet die Trauer und die Fassungslosigkeit", sagte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). "Uns verbindet aber auch das Wissen, dass diese Gewalttat mehr war als ein Amoklauf." Es handele sich um ein politisches Verbrechen. Dazu habe auch die AfD mit ihrer Agitation beigetragen.

Ein breites Bündnis gegen rechts

Zu der Kundgebung hatte das Bündnis "Bunt statt braun" mit weiteren Partnern aufgerufen. Zu den Teilnehmern gehörten etwa der evangelisch-lutherische Landesbischof Ralf Meister und Mitglieder der Synode der hannoverschen Landeskirche sowie Vertreter von muslimischen Verbänden und jüdischen Gemeinden, von Gewerkschaften und Parteien. "Was mit dem Angriff auf die Menschlichkeit beginnt, endet mit dem Angriff auf Menschen", sagte Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne).

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Mahnwache in Osnabrück

Bereits am Donnerstag, dem Tag nach den Attacken, bei denen zehn Menschen und der mutmaßliche Täter starben, hatten sich Menschen in Niedersachsen getroffen. Zu einer Mahnwache in die Innenstadt von Osnabrück waren 300 Personen gekommen, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. In ihren Wortbeiträgen brachten die Redner ihr Entsetzen über die Bluttat zum Ausdruck. Petra Tiesmeyer vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), der zu der Mahnwache aufgerufen hatte, betonte, dass es vor allem wichtig sei sich Populismus und rechter Hetze von Anfang an entgegenzustellen, um Rechtsextremismus keinen Nährboden zu bieten. Die Mahnwache wurde auch von einigen muslimischen Gemeinden von sowie SPD, Grünen und Linkspartei unterstützt.

Kondolenzbuch im Stader Rathaus

Im Foyer des Neuen Rathauses in Stade liegt nach dem Anschlag in Hanau ein Kondolenzbuch aus. Bürgermeister Sönke Hartlef (CDU) erklärte, die Hanauer Geschehnisse seien ein unfassbares Verbrechen. Allen Menschen, die aus dem Ausland nach Stade gekommen sind und jetzt Angst haben, wolle er deutlich sagen, dass sie herzlich willkommen seien. Die Bürger stünden an ihrer Seite.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 20.02.2020 | 19:30 Uhr

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