Stand: 13.12.2018 15:01 Uhr

Mordprozess gegen 18-Jährigen ohne Öffentlichkeit

Zum Auftakt des Mordprozesses gegen einen 18-Jährigen hat das Landgericht Hannover am Donnerstag die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der junge Mann habe eine Persönlichkeitsstörung mit depressivem und suizidalem Verhalten, sagte der Vorsitzende Richter der Jugendkammer zur Begründung. Es sei zu befürchten, dass sich sein Zustand massiv verschlechtert, sollten Medien und Zuhörer den Prozess verfolgen. Der Angeklagte soll im Juni in Hannover im betrunkenen Zustand mit einem Sportwagen vor einer Polizeikontrolle geflüchtet und in die Fußgängerzone gerast sein. Dort habe er einen 82-jährigen Fußgänger erfasst und ihn hinter dem Auto her geschliffen, so die Staatsanwaltschaft. Der 82-Jährige starb an seinen Verletzungen.

82-Jähriger mit Fluchtauto getötet?

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Ein 18-Jähriger soll vor der Polizei geflüchtet und mit dem Fluchtwagen einen Rentner getötet haben. Die Fahrt endete an einem Ampelmast.

In dem Prozess geht es vor allem um die Frage, ob es Mord war. Laut Gerichtssprecher Hans-Christian Rümke muss die Kammer anhand der Einzelheiten dabei auch klären, ob der Angeklagte tatsächlich Menschen töten wollte oder ob er möglicherweise doch darauf vertraute, dass es alles gut geht. Auch die Frage, ob der Fahrer die Ereignisse überhaupt voll wahrgenommen hat, stünde im Raum. Dazu wurden zum Prozessauftakt am Donnerstag die 17-jährige Beifahrerin des Angeklagten, zwei Polizisten, sowie ein Psychiater und ein unfallanalytischer Sachverständiger angehört.

Wollte der Angeklagte Trunkenheitsfahrt verdecken?

Laut Rümke reicht ein Vorsatz allein allerdings nicht aus, um den Fahrer wegen Mordes zu verurteilen. Demnach argumentiert die Staatsanwaltschaft, dass der junge Mann eine Tat verdecken wollte - nämlich den Autodiebstahl und die Trunkenheitsfahrt. Der Angeklagte sei während der Fahrt verfolgt worden und wollte flüchten, so Rümke. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm deshalb außerdem Straßenverkehrsgefährdung, Diebstahl, Fahren ohne Führerschein und Fahrerflucht vor.

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Tödliche Verfolgungsfahrt: 18-Jähriger stellt sich

25.06.2018 19:30 Uhr
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Ein 18-Jähriger war am Sonntag in Hannover mit einem gestohlenen Wagen durch eine Fußgängerzone gerast und hatte einen 82-Jährigen totgefahren. Später stellte er sich. (25.06.2018) Video (02:44 min)

Flucht ging nach tödlichem Unfall weiter

Nach dem tödlichen Unfall in der Nähe des Hauptbahnhofs war der Fahrer laut Staatsanwaltschaft weiter in Richtung Südstadt geflohen. Seine Flucht endete mit einem weiteren Unfall, bei dem er den Sportwagen gegen einen Ampelmast fuhr. Er entkam danach mit seiner Beifahrerin zu Fuß. Später stellte er sich der Polizei. Den Wagen hatte er den Ermittlungen zufolge vor der Tat gestohlen.

Urteil für Januar erwartet

Für den Prozess sind insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt. Am 9. Januar könnte das Urteil gesprochen werden. Sollte er schuldig gesprochen werden, könnte der 18-Jährige im härtesten Fall wegen Mordes verurteilt werden - im mildesten Fall, weil er den Straßenverkehr gefährdet hat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.12.2018 | 12:00 Uhr

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