Stand: 30.12.2019 14:06 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Morddrohungen: Respekt und Solidarität für Levit

Der Pianist Igor Levit steht nach der Aufzeichnung der WDR Talkshow Kölner Treff im Studio. © dpa Foto: Henning Kaiser
Der Pianist Igor Levit hat in einem Zeitungsbericht über Morddrohungen berichtet.

Die antisemitischen Morddrohungen gegen den Starpianisten Igor Levit aus Hannover seien kein Einzelfall, sagte der Landesverbands-Vorsitzende der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst. Er fordert einen stärkeren Einsatz gegen Antisemitismus. Persönlich habe er zwar keine Angst, sagte Fürst im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. Deutschland stehe nicht vor einer Situation wie 1933 und Juden hätten nicht das Gefühl, aus Deutschland auswandern zu müssen. Doch sei durch solche verbalen Übergriffe die Demokratie in besonderem Maße gefordert. "Wir müssen begreifen, dass es rechtsnationale Netzwerke gibt", sagte er.

Fürst: Behörden sind wachsamer als zuvor

Lange Zeit hätten die Behörden die Lage nicht ernst genug genommen, so Fürst. Inzwischen seien jedoch in Niedersachsen das Innenministerium, das Landeskriminalamt und die Polizei wachsamer als zuvor. Fürst fordert die Behörden auf, in die rechtsnationalen Netzwerke einzudringen. Auch Grünen-Chef Robert Habeck spricht sich im "Tagesspiegel" für ein härteres Vorgehen gegen antisemitische Straftaten aus. "Antisemitische Äußerungen müssen zur Anzeige gebracht werden, das gilt für rechten wie für islamischen Antisemitismus." Zudem müssten rechtsterroristische Umtriebe in staatlichen Institutionen unter konsequenter Anwendung des Dienstrechts unterbunden werden.

Habeck lobt Levits Gang an die Öffentlichkeit

Habeck zollte Levit Respekt für dessen Umgang mit den Morddrohungen. "Es spricht für das Kämpferherz von Igor Levit, dass er das öffentlich macht, sich wehrt." Auch sein Parteikollege, Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay, hat auf Twitter Solidarität für Levit bekundet. Der russisch-deutsche Ausnahmemusiker, der im Alter von acht Jahren mit seiner Familie nach Hannover gekommen war, hatte in einem Gastbeitrag im "Tagesspiegel" über Drohungen und öffentliche Anfeindungen berichtet.

Schäuble appelliert an alle Bürger

Daraufhin hat sich auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) in dem Blatt zu Wort gemeldet. Er forderte alle Bürgerinnen und Bürger auf, dem Antisemitismus in Deutschland Einhalt zu gebieten. "Wir Demokraten sind gefordert: Jeder und jede sollte jedem Anflug von Judenhass zu jeder Zeit energisch entgegentreten“, sagte Schäuble der Zeitung. Er sieht es als schlimmes Signal, dass Synagogen und andere jüdische Häuser von der Polizei geschützt werden müssen.

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Der Pianist Igor Levit sitzt vor einem Flügel und blickt in die Kamera. © SWR/Robbie Lawrence/home Foto: Robbie Lawrence

Pianist Igor Levit erhält Morddrohungen

Dem hannoverschen Starpianisten Igor Levit wurde mit einem Anschlag auf ein Konzert gedroht. In einem Zeitungsarktikel warnt er vor systematischem Antisemitismus und Rassismus. (29.12.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.12.2019 | 13:00 Uhr

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