Ein Mann aus Hannover vor Gericht im Missbrauchsfall in Münster. © dpa-Bildfunk Foto: Rolf Vennenbernd

Missbrauchsfall Münster: Gericht schließt Öffentlichkeit aus

Stand: 12.11.2020 21:59 Uhr

Vor dem Landgericht Münster hat am Donnerstag der erste Prozess in einem großen Missbrauchskomplex begonnen. Unter den fünf Angeklagten ist auch ein 35 Jahre alter Mann aus Hannover.

Bereits wenige Minuten nach Prozessbeginn wurde auf Antrag der Verteidigung und der Nebenkläger die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der Staatsanwalt trug die etwa 25 Seiten umfassenden Vorwürfe somit nur den Richtern und den Verfahrensbeteiligten vor. Der Ausschluss der Öffentlichkeit zum Schutz der minderjährigen Opfer gilt nach Angaben einer Gerichtssprecherin sowohl für die Anklageverlesung als auch für mögliche Einlassungen der Anklagten. Letztere sind am zweiten Prozesstag am Freitag vorgesehen. Auch für weitere wesentliche Teile des Verfahrens liegen laut dem Gericht bereits Anträge auf Ausschluss der Öffentlichkeit vor.

Kinder in Münsteraner Gartenlaube sexuell missbraucht

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 35-jährigen Hannoveraner vor, sich im April dieses Jahres an schweren sexualisierten Gewalttaten in einer Gartenlaube in Münster beteiligt zu haben. Zusammen mit den drei anderen Männern soll er zwei Jungen immer wieder mit K.o.-Tropfen betäubt und sie sexuell missbraucht haben. Bei den Mitangeklagten handelt es sich um einen 30-Jährigen aus Hessen, einen 42-Jährigen aus Brandenburg sowie um den 27-jährigen Hauptangeklagten aus Münster. Dessen 45 Jahre alte Mutter soll ihre Gartenlaube zur Verfügung gestellt und von dem dortigen Geschehen gewusst haben - auch sie ist angeklagt. Bei den Opfern handelt es sich um den damals zehnjährigen Sohn der langjährigen Lebensgefährtin des Hauptangeklagten und um ein damals fünf Jahre altes Kind des Mitangeklagten aus Hessen.

Geschehen in der Laube auf Video festgehalten

Die Anklageschrift umfasst zudem weitere Vorwürfe. So soll sich etwa der Hauptangeklagte mindestens 26 Mal an seinem Ziehsohn vergangen haben. Grundlage für die Vorwürfe ist die Auswertung eines zuvor hochverschlüsselten Laptops, der bei dem 27-Jährigen sichergestellt worden war. Im Mai 2020 war es der Polizei gelungen, die Festplatten zu knacken, woraufhin die Ermittlungen ins Rollen kamen. Bei weiteren Durchsuchungen stießen die Ermittler auf riesige Datenmengen, von denen bisher nur ein Teil entschlüsselt und ausgewertet ist. Zu dem Geschehen in der Gartenlaube gibt es allein 30 Stunden Videomaterial. Die Angeklagten hatten während der Ermittlungen zu den Vorwürfen geschwiegen.

Zwei weitere Beschuldigte aus Hannover

Das Gericht hat Verhandlungstermine bis Ende Februar angesetzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall weiterhin gegen Beschuldigte und Angeklagte aus ganz Deutschland, unter ihnen sind zwei weitere Männer aus Hannover im Alter von 30 und 50 Jahren. Auch sie sollen sich an mindestens einem der Kinder vergangen haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.11.2020 | 16:00 Uhr

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