Stand: 14.01.2020 21:46 Uhr

Missbrauch in Lüdge zieht immer größere Kreise

Im vergangenen Herbst sind die Haupttäter im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs von Lügde zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Nun haben Recherchen des WDR ergeben, dass es zwischen den Taten, die sich im östlichen Nordrhein-Westfalen nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen abspielten, offenbar Zusammenhänge zu den bekanntgewordenen Missbrauchsfällen in Bergisch Gladbach gibt.

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Polizeiabsperrungsband auf Campingplatz in Lügde.

Hinweise auf Verbindung von Missbrauchsfällen

Offenbar gibt es zwischen den Missbrauchsfällen von Lügde und Bergisch Gladbach Zusammenhänge. Dies erfuhr der WDR aus Ermittlerkreisen. Mehr auf wdr.de extern

Verbindungen zum Haupttäter Andreas V.?

Wie der WDR berichtet, waren es Zeugenaussagen, die die Ermittler kurz vor Weihnachten auf die neue Spur brachten. Demnach soll der Großvater des Beschuldigten aus Bergisch Gladbach von Mitte der 80er-Jahre bis Mitte der 90er-Jahre auch einen Stellplatz auf dem Campingplatz in Lügde gehabt haben. Der Mann soll zudem selbst wegen Kindesmissbrauch verurteilt worden sein, heißt es vonseiten der Ermittler. Auch ein Cousin des Beschuldigten aus Bergisch-Gladbach hatte zwischen 2005 und 2009 einen Campingwagen in Lügde genutzt. Diesen Wagen hat er offenbar ausgerechnet dem mittlerweile verurteilten Haupttäter von Lügde, Andreas V., verkauft. Bei dem Beschuldigten aus Bergisch Gladbach haben die Ermittler offenbar auch kinderpornografisches Material gefunden, das in Lügde entstanden sein soll. In Nordrhein-Westfalen wurde seit dem vergangenen Herbst ein regelrechtes Missbrauchsnetzwerk aufgedeckt. Bislang haben die Ermittler 42 mutmaßliche Täter ermittelt. Acht Beschuldigte sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft.

Behörden ignorierten Hinweise

Die Missbrauchsfälle von Lügde hatten auch in Niedersachsen für Aufsehen gesorgt. Neben den Haupttätern Andreas V. und Mario S. aus Nordrhein-Westfalen die langjährige Haftstrafen erhielten, wurde auch ein 49 Jahre alter Mann aus Stade wegen Beihilfe zum schweren Missbrauch von Kindern zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. In dem Fall war unter anderem auch das Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont involviert. Das Jugendamt hatte Andreas V. im Jahr 2017 als Pflegevater für ein Mädchen eingesetzt, obwohl es Hinweise auf sexuelle Übergriffe gab.

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Der Angeklagte Andreas V. steht im Gerichtssaal und hält sich einen Aktenordner vor das Gesicht, daneben steht der Angeklagte Mario S. © dpa - Bildfunk Foto: Bernd Thissen

Lügde: Hohe Haftstrafen für "abscheuliche Taten"

Im Fall Lügde sind die beiden Angeklagten Andreas V. und Mario S. zu 13 beziehungsweise 12 Jahren Haft verurteilt worden. Zudem wurde für beide die Sicherungsverwahrung angeordnet. (05.09.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.01.2020 | 08:00 Uhr

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