Stand: 22.05.2019 20:15 Uhr

Missbrauch: Peter R. verliert alle Priesterrechte

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Wegen Missbrauchs an Minderjährigen in acht Fällen ist Peter R. im Dezember 2018 verurteilt worden. (Themenbild)

Einer der Haupttäter in den Missbrauchsfällen am Berliner Canisius-Kolleg, der Geistliche Peter R., wird aus dem Priesterstand entlassen. Das hat das Bistum Hildesheim, von dem Peter R. bislang als Ruhestandspriester Bezüge erhielt, am Mittwoch mitgeteilt. Hintergrund für diese Entscheidung ist ein rechtskräftig gewordenes Urteil. Das Kirchengericht des Erzbistums Berlin hatte den 77-Jährigen im Dezember vergangenen Jahres wegen Missbrauchs an Minderjährigen in acht Fällen schuldig gesprochen. Jetzt hat der Vatikan das Urteil bestätigt, wie das Bistum Hildesheim mitteilt.

Bischof Wilmer spricht von "institutionellem Versagen"

Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim, sprach im Fall Peter R. von "institutionellem Versagen". Über Jahrzehnte habe die Kirche zu wenig getan, um den Priester zur Verantwortung zu ziehen und um Menschen vor sexuellen Übergriffen durch ihn zu schützen. "Frühzeitiges und konsequentes Handeln hätte höchstwahrscheinlich vielfaches Leid verhindert und eine rechtzeitige Strafverfolgung durch staatliche Ermittlungsbehörden ermöglicht", sagte Wilmer. Dies sei jedoch nicht geschehen. Es sei ein mehr als abschreckendes Beispiel dafür, "wie es im Umgang der Kirche mit sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch in ihrem Verantwortungsbereich niemals hätte laufen dürfe", so Wilmer weiter. Seit 2017 hole sich das Bistum professionelle Hilfe von außen.

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Entlassung aus dem Klerikerstand als höchstes Strafmaß

Mit der Entlassung aus dem Priesterstand verliert Peter R. auch seine Pensionsansprüche. Er soll lediglich eine Grundsicherung erhalten. Wie hoch diese sein wird, wollte das Bistum auf Anfrage von NDR.de nicht mitteilen, weil es sich um eine Personalangelegenheit handele. Laut einem Sprecher bedeute dies für Peter R. in jedem Fall eine finanzielle Verschlechterung. Nach Angaben des Bistums ist die Entlassung aus dem Klerikerstand das höchste Strafmaß, das ein Kirchengericht verhängen kann. Neben dem finanziellen Verlust bedeutet dies für Peter R. einen Verlust seiner Priesterrechte: Er darf keine kirchlichen Ämter mehr ausüben, keine Sakramente mehr spenden und sich mit seiner Kleidung nicht mehr als Priester zu erkennen geben.

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Auch in Hildesheim soll Peter R. Kinder missbraucht haben

Nach Angaben des Bistums Berlin ereigneten sich die meisten der Taten von Peter R. in den 70er- und 80er-Jahren am Canisius-Kolleg in Berlin, wo R. als Lehrer tätig war. Er soll sich an mindestens hundert Kindern und Jugendlichen vergangen haben. Strafrechtlich sind die Taten verjährt. Der Jesuitenorden versetzte Peter R. 1982 in das Bistum Hildesheim, wo er bis 1989 als Dekanats-Jugendseelsorger tätig war. Auch dort soll es zu Missbrauchsfällen gekommen sein. Anschließend wurde der Priester als Gemeinde-Seelsorger in Hildesheim, Wolfsburg und Hannover eingesetzt. Auf eigenen Wunsch verließ Peter R. den Jesuitenorden im Jahr 1995 und wurde als Priester im Bistum Hildesheim aufgenommen. Zur Prävention von sexualisierter Gewalt zahlt das Bistum jetzt 20.000 Euro als Startkapital für ein Projekt, das sich mit der Aufarbeitung der Geschehnisse am Canisius-Kolleg und dessen Erforschung befasst.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Hallo Niedersachsen | 22.05.2019 | 19:30 Uhr

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