Der Vorsitzende Richter Matthias Pheiler (M.), Richter Schiereck (l.) und Richterin Wilmes sitzen im Landgericht Münster. © picture alliance/dpa/dpa pool/Guido Kirchner Foto: Guido Kirchner

Missbrauch: Haft und Sicherungsverwahrung für Hannoveraner

Stand: 06.07.2021 12:42 Uhr

Im Missbrauchsprozess Münster sind die Urteile gegen die Hauptangeklagten gefallen. Ein Hannoveraner muss zehn Jahre in Haft. Wie bei den anderen Angeklagten ordnete das Gericht Sicherungsverwahrung an.

Der 36 Jahre alte Mann aus Hannover wurde für vier Fälle verurteilt. Gegen ihn, wie auch gegen die anderen Angeklagten, ordnete das Landgericht Münster Sicherungsverwahrung an. Der Hauptangeklagte, ein 28 Jahre alter IT-Techniker, wurde wegen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 29 Fällen zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Sicherungsverwahrung begründeten die Richter mit einer möglichen Wiederholungsgefahr.

Urteile noch nicht rechtskräftig

Zwölf Jahre Haft erhielt ein 31-Jähriger aus dem hessischen Staufenberg für sechs Fälle. Ein 43-jähriger Mann aus Schorfheide in Brandenburg wurde zu elf Jahren und sechs Monaten Haft für fünf Missbrauchsfälle verurteilt. Damit folgte das Gericht weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft. Wegen Beihilfe soll die 46 Jahre alte Mutter des IT-Technikers für fünf Jahre ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hatte auf sechs Jahre plädiert. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Angeklagte nehmen Schuldspruch regungslos hin

Die Urteile nahmen die Angeklagten weitgehend regungslos zur Kenntnis. In seiner Begründung beschrieb der Vorsitzende Richter Matthias Pheiler die zum Teil schweren Missbrauchstaten. Zum Schutz der Opfer verzichtete er aber auf die Beschreibung drastischer Details der Vergewaltigungen. Die Kammer nannte die Taten "absolut verstörend". "Das übersteigt alles, was dieser Kammer bislang vorgelegt wurde", sagte Pheiler in der Urteilsbegründung. Die Taten seien gewohnheitsmäßig und mitleidslos erfolgt. Die auf einem Beweisvideo aus der Gartenlaube zu hörenden Dialoge hätten einen verstörenden Gesamteindruck hinterlassen. Laut Gericht handelt es sich bei den angeklagten Taten besonders im Fall des IT-Technikers, der während des Verfahrens zu den Vorwürfen schwieg, nur um die Spitze des Eisbergs. Im Laufe des Prozesses hatte die Polizei weiteres Beweismaterial entschlüsselt. Auf den Aufnahmen seien Täter und Opfer zum Teil eindeutig anhand von unverwechselbaren Körpermerkmalen zu erkennen gewesen, so das Gericht

Gericht: Mutter wusste von Pädophilie des Sohnes

Das Gericht begründete die Haftstrafe für die Mutter des IT-Technikers mit ihrem nachweislichen Wissen. Demnach wusste sie, dass es in der Gartenlaube zum schweren sexuellen Missbrauch gekommen war. Die Laube hatte sie ihrem Sohn zur Verfügung gestellt. Als Beweis zitierte Pheiler aus Chatverläufen und einer Aufnahme in der Laube bei einem Frühstück. "Sie wusste von der Pädophilie ihres Sohnes, sie war über den Missbrauch informiert", sagte das Gericht. Die Frau wusste aber wohl nicht, dass die Männer die Opfer zum Teil für die Taten betäubt hatten. Das Gericht wertete das als strafmildernd.

30 Verdächtige in Untersuchungshaft

Münster ist neben Lügde und Bergisch Gladbach einer von drei großen Missbrauchsfällen der vergangenen Jahre in Nordrhein-Westfalen. Die Taten in Münster waren nach Ermittlungen im Juni 2020 ans Licht gekommen. Im Anschluss hatte es in mehreren Bundesländern und im Ausland Festnahmen gegeben. In dem Komplex wurden bereits fünf Männer zu Freiheitsstrafen verurteilt. Insgesamt identifizierten die Ermittler mehr als 50 Tatverdächtige. 30 von ihnen sitzen derzeit in U-Haft. Im Februar waren bereits zwei Männer aus Hannover zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Neben Münster ist auch Lügde einer der Tatkomplexe der vergangenen Jahre in Nordrhein-Westfalen mit Bezug zu Niedersachsen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 06.07.2021 | 15:00 Uhr

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