Stand: 11.06.2019 14:57 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Missbrauch: EKD richtet zentrale Anlaufstelle ein

Die Opfer sexuellen Missbrauchs in der evangelischen Kirche können sich ab dem 1. Juli an eine zentrale Anlaufstelle wenden. Damit setzt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) einen Teil ihres Elf-Punkte-Handlungsplans gegen sexualisierte Gewalt um. Bei der Einrichtung der Anlaufstelle handele sich um ein Anliegen, "dessen Dringlichkeit uns Betroffene immer wieder eindrücklich geschildert haben", sagte die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs am Dienstag am Rande einer Fachtagung in Hannover. Sie ist die Sprecherin des fünfköpfigen Gremiums, das sich mit der Umsetzung des Elf-Punkte-Handlungsplans befasst. Diesen hatte die EKD im November beschlossen, nachdem 479 Fälle sexuellen Missbrauchs in der evangelischen Kirche und der Diakonie bekannt geworden waren. Inzwischen sind laut Fehrs rund 600 Fälle bekannt.

Neue Anlaufstelle soll Hürden für Betroffene abbauen

Mit der "Zentrale Anlaufstelle.help" hat die EKD den unabhängigen Verein "Pfiffigunde" aus Heilbronn beauftragt. Opfer sollen dort Beratungsgespräche mit geschulten Fachkräften im geschützten Rahmen führen können. Das Angebot soll die bereits bestehenden Ansprechstellen in den Landeskirchen ergänzen. Mit der neuen Einrichtung will die EKD die Hürden für die Betroffenen abbauen. Der Verein soll eine "Lotsenfunktion bei der Aufarbeitung" sexueller Gewalt in der evangelischen Kirche übernehmen. Die EKD will die Kosten übernehmen. Insgesamt stellt sie für die Umsetzung des Elf-Punkte-Handlungsplans rund eine Million Euro bereit.

Wissenschaftler sollen Zugang zu Akten und Archiven erhalten

Ein weiteres Thema auf der Fachtagung war die ebenfalls im Elf-Punkte-Handlungsplan beschlossene wissenschaftliche Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Kirche. Zusammen mit Wissenschaftlern arbeitet das Fachgremium der EKD an grundsätzlichen Kriterien für die Studien in den Landeskirchen und in der EKD. Für die Aufarbeitung will die evangelische Kirche den Wissenschaftlern Zugang zu den kirchlichen Akten und Archiven gewähren. Darüber hinaus plant die EKD eine Dunkelfeldstudie.

Vor allem Heimkinder waren betroffen

Die meisten Missbrauchsfälle ereigneten sich in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren in Kirchengemeinden sowie in diakonischen Einrichtungen. Nach Angaben der EKD sind die meisten Betroffenen ehemalige Heimkinder. Die EKD und die Diakonie baten die Betroffenen bereits im Jahr 2011 um Verzeihung und sprachen von einem "Versagen der evangelischen Heimerziehung in den Nachkriegsjahren". Aber erst jüngst wurden die Kirchenarchive auf Missbrauchsfälle hin untersucht und die Einzeltaten addiert.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.06.2019 | 16:30 Uhr

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