Stand: 17.03.2017 15:06 Uhr

Milli-Görüs-Chef verurteilt Nazivergleiche

In ganz Deutschland haben sich Muslime in ihren Freitagsgebeten heute gegen Rassismus ausgesprochen. Anlass sind die Internationalen Wochen gegen Rassismus, die von der gleichnamigen Stiftung veranstaltet werden. An der zentralen Veranstaltung in der Ayasofya-Moschee in Hannover nahm auchBekir Altas, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), teil. Altas nutzte die Gelegenheit, um sich deutlich von den jüngsten Verbalattacken aus der Türkei zu distanzieren. "Äußerungen wie die eines Nazivergleichs oder Religionskrieges können so nicht geteilt werden von den Muslimen oder Türken, die hier leben", sagte er.

"Entwaffnung der Sprache auf beiden Seiten"

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Vorurteile und Rassismus entstünden immer dort, wo sich Menschen abgrenzten, sagte Altas. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Begegnung zu Freundschaft führt." An diese Erfahrung müssten die Menschen anknüpfen - auf lokaler Ebene und länderübergreifend. Er rief zu einer "Entwaffnung der Sprache auf beiden Seiten" auf. "Wir brauchen eine Ebene, auf der man miteinander reden kann." Statt Populismus sei die Diplomatie gefragt. Von den Wahlen in der Türkei solle man nicht auf die Türken hier schließen. "Das Problem ist, dass wir einiges zugerechnet bekommen, was nicht aus unserem Munde kommt."

 

Über 1.000 Aktionen noch bis zum 26. März

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland und die IGMG gehen nach eigenen Angaben davon aus, dass bundesweit rund 600 Moscheen das Thema aufgreifen werden. Bis einschließlich Sonntag, 26. März, soll es deutschlandweit mehr als 1.000 Aktionen geben.

Milli Görüs - Wer steht dahinter?

Die Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) steht der türkischen Regierungspartei AKP nahe und ist in 410 Moscheegemeinden in Deutschland organisiert. Teilbereiche der IGMG waren in der Vergangenheit vom Verfassungsschutz beobachtet worden. Deutscher IGMG-Chef ist Bekir Altas.

"Eine Gefahr für die Gesellschaft, die Demokratie und Europa"

Jürgen Micksch, geschäftsführender Vorstand der Stiftung gegen Rassismus sagte, es gebe "glücklicherweise wieder eine wachsende Sensibilität, dass Rassismus eine Gefahr für die Gesellschaft, die Demokratie und Europa darstellt". Auch die frühere parlamentarische Staatssekretärin Cornelie Sonntag-Wolgast betonte, ihr sei es "in diesem Jahr besonders dringlich und akut", ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. So gebe es Parteien, die Fremdenfeindlichkeit im Wahljahr in Deutschland zu ihrem Thema gemacht hätten. "Gerade erst hat ein amerikanischer Präsident damit eine Wahl gewonnen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 17.03.2017 | 06:30 Uhr

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