Stand: 09.04.2018 14:52 Uhr

Messerattacke vor Supermarkt: 17-Jähriger gesteht

Bild vergrößern
Vor diesem Supermarkt in Großburgwedel attackierte ein 17-Jähriger eine 24-Jährige. Beide waren zuvor in einen Streit geraten.

Nach der blutigen Messerattacke auf eine 24-Jährige in Großburgwedel (Region Hannover) hat der Angreifer die Tat gestanden. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der 17 Jahre alte aus Syrien stammende Täter hatte die Frau vor zwei Wochen mit einem Messer lebensgefährlich verletzt. In der Klinik war sie zunächst kurze Zeit in künstliches Koma versetzt worden. Laut Staatsanwaltschaft befindet sie sich inzwischen auf dem Weg der Genesung. Der Täter sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird ermittelt.

Keine Anklage wegen versuchter Tötung

Die Anklagebehörde hatte dem 17-Jährigen zunächst versuchte Tötung vorgeworfen, den Tatvorwurf aber kurz danach in gefährliche Körperverletzung geändert. Der Grund: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Täter einen einzigen Stich ausgeführt, nach dem die 24-Jährige noch immer stand und weiter mit dem Angreifer redete. Dieser habe die Tat nach dem Stich abgebrochen, weil er offenbar nicht vorhatte, das Opfer zu töten. Sollte der 17-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt werden, droht ihm eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und sieben Jahren. Wann schlussendlich Anklage erhoben wird, sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar, so die Staatsanwaltschaft.

Opfer wollte offenbar Streit schlichten

Kurz vor der Messerattacke war es laut Behörde in einem Supermarkt in der Dammstraße zwischen der Frau und ihrem 25-jährigen Begleiter zu einem Streit mit zwei 13 und 14 Jahre alten Jungen gekommen. "Offenbar nachdem das Opfer und ihr Begleiter die Jungen darauf hingewiesen hatten, sich zu benehmen", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Nach dem Einkauf seien die 24-Jährige und der 25 Jahre alte Mann erneut auf die beiden Jugendlichen getroffen - nun in Begleitung des 17-jährigen Familienangehörigen. Es soll zunächst wieder zu einem Wortgefecht, dann zu einer Rangelei zwischen dem Begleiter und den drei minderjährigen aus Syrien eingereisten Flüchtlingen gekommen sein. Die 24-Jährige wollte in der Auseinandersetzung offenbar schlichten und wurde dabei attackiert.

Die Tat hatte eine politische Diskussion um den Familiennachzug von Flüchtlingen ausgelöst. Während es aus der CDU-Landtagsfraktion hieß, dass eine Begrenzung des Familiennachzugs richtig sei und straffällige Flüchtlinge schnellstmöglich abgeschoben werden müssten, bestritt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) einen unmittelbare Zusammenhang der Bluttat mit dem Thema.

Weitere Informationen

Messerangriff: Opfer außer Lebensgefahr

Nach der Messerattacke in Burgwedel ist das 24-jährige Opfer außer Lebensgefahr. Die Staatsanwaltschaft glaubt derweil nicht mehr, dass der Verdächtige die Frau töten wollte. (25.03.2018) mehr

Weil: Bluttat hat mit Familiennachzug nichts zu tun

Nach dem Messerangriff auf eine Frau in Großburgwedel wird über Familienzusammenführung diskutiert. Niedersachsens Ministerpräsident Weil sagt, man solle die "Kirche im Dorf lassen". (26.03.2018) mehr

Land will Messerangriffe in Statistik aufnehmen

Künftig sollen Messerangriffe in der Kriminalstatistik gelistet werden. Das teilte Niedersachsens Innenministerium mit. Die Gewerkschaft der Polizei hatte das zuvor gefordert. (26.03.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 28.03.2018 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:23
Hallo Niedersachsen

Jeder singt auf seine Weise: Leben mit Down-Syndrom

24.03.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen