Stand: 05.12.2019 21:15 Uhr

Masern in Hildesheim: Schulverbot für 28 Schüler

Nach vier Masern-Erkrankungen müssen 28 Jugendliche einer Oberschule in Söhlde nach Angaben des Landkreises Hildesheim wohl bis zum Ende der Weihnachtsferien zu Hause bleiben. Bisher konnten die Schülerinnen und Schüler keinen ausreichenden Impfschutz nachweisen. Bei zwei Lehrern werde noch ein Nachweis von Antikörpern im Blut abgewartet, heißt es in einer Meldung des Landkreises. Die Überprüfung der Impfpässe war nötig geworden, weil eine an Masern erkrankte Person einen Adventsbasar der Schule besucht hatte.

Öffentliche Gebäude für Nicht-Geimpfte tabu

Ob sich Besucher des Adventsmarktes oder die nicht geschützten Schüler angesteckt haben, "wird frühestens Mitte der nächsten Woche feststehen. Erst dann werden erste Krankheitsanzeichen auftreten", schreibt der Landkreis in der Mitteilung. Das Problem: Bevor diese Anzeichen sichtbar werden, seien Erkrankte bereits hoch infektiös und könnten nicht immunisierte Menschen, beispielsweise Säuglinge oder nicht geimpfte Kinder und Erwachsene, anstecken. Die Behörde rät Besuchern des Basars, ihren Impfschutz auf Masern überprüfen zu lassen und gegebenenfalls einen Arzt aufzusuchen - aber nur mit telefonischer Anmeldung. Die an Masern erkrankte Person soll sich am Freitag zwischen 13.30 und 15 Uhr sowie zwischen 17 und 19.30 Uhr auf dem Basar aufgehalten haben. Wer keinen ausreichenden Impfschutz hat, darf laut Landkreis weder öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Kitas noch Veranstaltungen besuchen.

Hintergrund: Masern

Masern sind hochinfektiös. Das Virus wird durch das Einatmen von Tröpfchen, etwa beim Sprechen, Husten oder Niesen, übertragen. Die Symptome reichen von Schnupfen, Fieber und Husten bis hin zu rötlich-braunen Hautirritationen. Zudem wird das Immunsystem geschwächt. Dadurch kann es zu Folgeinfektionen kommen, etwa einer Hirnhautentzündung, teils mit langfristigen Schäden für das Zentrale Nervensystem. Zwei von 1.000 Patienten sterben laut Robert-Koch-Institut an den Folgen einer Masern-Infektion.

Masern von Reise nach Thailand mitgebracht

Die erste erkrankte Person hatte sich während einer Auslandsreise in Thailand angesteckt, wie eine Sprecherin des Landkreises sagte. Der Erwachsene habe nach seiner Rückkehr zunächst eine Person aus seinem Umfeld und dann zwei weitere Menschen an öffentlichen Orten angesteckt. Darunter ist ein Säugling aus dem Landkreis Peine. Die andere zufällig infizierte erwachsene Person hatte am Freitag den Adventsbasar besucht. Das habe die bei einem Masernfall obligatorische Befragung des Erkrankten ergeben, so die Sprecherin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 04.12.2019 | 17:00 Uhr

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