Stand: 14.03.2019 18:49 Uhr

Lügde: Weitere Opfer - Soko-Leiter suspendiert

Lügde: Laut NRW-Innenminister Herbert Reul soll es drei weitere Opfer im Missbrauchsskandal geben.

Weitere Opfer, ignorierte Hinweise, Verdacht auf Manipulation von Beweismitteln durch Fahnder - im Missbrauchsskandal von Lügde an der Grenze zu Niedersachsen gibt es neue erschreckende Details. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat Donnerstag dem Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags berichtet, dass durch sichergestellte Daten mindestens drei weitere Missbrauchsopfer identifiziert worden sein. Damit ist deren Zahl auf 34 gestiegen. Bei 14 Kindern besteht der Verdacht, dass sie ebenfalls von den mutmaßlichen Tätern sexuell misshandelt worden sein könnten. Die Betroffenen werden von der Opferhilfe betreut. Darüber hinaus teilte Reul mit, dass ein Polizeibeamter vorübergehend suspendiert worden ist. Gegen den Mann laufen Ermittlungen wegen einer Straftat im Zusammenhang mit dem Skandal.

Suspendierter Polizist: Verdacht auf Strafvereitlung im Amt

Der freigestellte Fahnder leitete im Dezember kurzfristig die Sonderkommission bei der Kreispolizei Lippe, die den Missbrauchsfall von Lügde aufklären sollte. Er war zudem Führungskraft des Kommissaranwärters, der beschlagnahmte Daten gesichtet hatte, ohne dazu befugt gewesen zu sein. Gegen den suspendierten Beamten besteht in Bezug auf Ermittlungen in anderen Sexualdelikten aus früheren Jahren der Verdacht auf Strafvereitelung im Amt. Vor zwei Wochen war ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Nun folgten Strafanzeige und Suspendierung. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat wegen verschwundener Beweismittel - 155 Datenträger aus den Räumen der Kreispolizeibehörde Lippe sind nicht mehr auffindbar - ein Ermittlungsverfahren wegen Diebstahls gegen unbekannt eröffnet. Drei leitende Beamte sind seit Januar wegen grober Fehlentscheidungen versetzt worden. Gegen zwei weitere Fahnder laufen Strafverfahren, weil sie Hinweisen nicht nachgegangen sein sollen.

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Bundesweite Anlaufstelle "Kindesmissbrauch"

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Hilfeportal sexueller Missbrauch

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet Hilfe bei sexuellem Missbrauch an. Über ein Hilfetelefon kann Rat und Beistand geleistet werden. extern

Beweise: Mehr als drei Millionen Bilder, fast 90.000 Videos

Innenminister Reul schließt ebenso wie die Staatsanwaltschaft Detmold nicht aus, dass noch mehr Beweismaterial als bisher bekannt verschwunden ist oder manipuliert wurde. Aktuell werden dem Innenminister zufolge fast 3,3 Millionen sichergestellte Bilder und fast 86.300 Videos ausgewertet. 24 Spezialisten werten in Bielefeld die IT-Beweismittel aus. Es waren weitere Objekte durchsucht worden. Außerdem besteht der Verdacht, dass es auf dem Campingplatz mehr als einen Tatort gegeben haben könnte.

Mehr Opfer, mehr Täter, mehr Versagen

Der Fall Lügde erschüttert die Republik. Ende Januar war bekannt geworden, dass mindestens drei Männer auf einem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen über Jahre hinaus Dutzende Kinder missbraucht hatten. Es gab Anzeichen für Kindesmissbrauch - sie wurden teilweise ignoriert, teilweise nicht ernst genommen. Jugendämter überprüften die Behausung eines der Beschuldigten auf dem Campingplatz, bei dem ein Pflegekind aus Niedersachsen untergebracht war - niemand fand Hinweise auf Straftaten. Nach und nach wachsen nun die Zahlen der Missbrauchsopfer, mutmaßlicher Täter und Mitwisser sowie der Umfang des Behördenversagens in Verwaltung und bei der Polizei. Zuletzt wurde bekannt, dass ein Ermittler selbst 2011 wegen des Besitzes von Kinderpornografie verurteilt worden war. Die drei Hauptbeschuldigten (56, 48 und 33 Jahre alt), unter ihnen ein Mann aus Stade, sitzen in Untersuchungshaft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.03.2019 | 15:00 Uhr

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