Stand: 01.02.2019 10:45 Uhr

Lügde: Warnsystem gegen Missbrauch geplant

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Landrat Tjark Bartels hat sich für neue Maßnahmen zur Aufdeckung von Kindesmissbrauch ausgesprochen. (Archivbild)

Nach den schweren Missbrauchsfällen auf einem Campingplatz in Lügde (Nordrhein-Westfalen) und heftiger Kritik an den zuständigen Jugendämtern hat der Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels, Konsequenzen gefordert. Es müsse eine völlig neues Konzept entwickelt werden, das es Kindern einfacher macht, über solche Vorfälle zu sprechen, sagte der SPD-Politiker im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. Bartels kündigte eine Art Vorwarnsystem in Kindergärten und Schulen an, um Verdachtsmomenten frühzeitig nachgehen zu können. Einzelheiten dazu will der Landkreis am Montag vorstellen.

Bartels: Hat nichts mit Personalmangel zu tun

Bartels zeigte sich erschüttert über das Ausmaß des aufgedeckten Missbrauchs, beim dem in mindestens 1.000 Fällen mindestens 23 Kinder betroffen sind. Er und seine Mitarbeiter seien fassungslos, wie diese Verbrechen übersehen werden konnten. Seine einzige Erklärung sei, dass die Täter ihr Umfeld ausgesprochen geschickt getäuscht hätten. Das habe nichts mit Personalmangel oder mangelnder Fachlichkeit zu tun, betonte er.

Landrat rechtfertigt Vorgehen

Der Landrat äußerte sich auch zu der Frage, wieso ein sechsjähriges Mädchen zu einem Dauercamper auf einen unordentlichen Campingplatz in Pflege gegeben werden konnte. Wenn das Jugendamt tätig werde, sei es immer grenzwertig, sagte Bartels. Die Mitarbeiter kämen oft in Wohnungen, die alles andere als ordentlich seien. Oft stecke aber hinter einem wüsten Äußeren ein vernünftiger Kern - so dem Landrat zufolge auch in Lügde. "Es sah aus, als ob dies hier der Fall ist, weil eine emotionale Bindung da zu sein schien", so der Landrat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.02.2019 | 09:00 Uhr

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