Stand: 22.03.2019 14:20 Uhr

Lügde: Verdächtiger ist auf Bildern zu erkennen

In dieser Laube auf dem Campingplatz Eichwald soll der Hauptverdächtige den Missbrauch begangen haben.

Im Skandal um den massenhaften Missbrauch in Lügde hält der in Nordrhein-Westfalen zuständige Sonderermittler, Ingo Wünsch, nach Informationen der Deutschen Presseagentur die Beweismittel trotz verschwundener Asservate für "ausreichend". Wünsch sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", es gäbe sehr belastendes Bildmaterial, auf dem der Haupttatverdächtige eindeutig zu erkennen sei.

Verschwundene Datenträger: "Wir haben alles auf dem Kopf gestellt"

Kriminaldirektor Wünsch war vom nordrhein-westfälischen Innenministerium zur Kreispolizeibehörde Lippe gesandt worden, nachdem dort 155 Datenträger verschwunden waren. "Wir haben alles auf den Kopf gestellt, vom Keller bis zur Damentoilette", sagt Wünsch. Außerdem habe man 30 Befragungen durchgeführt. Die CDs seien aber nicht wieder aufgetaucht. Der Sonderermittler sieht jetzt die Staatsanwaltschaft am Zug: "Die hat andere Möglichkeiten im Rahmen der Strafprozessordnung. Ich persönlich will jedenfalls unbedingt erfahren, was mit den CDs passiert ist."

Forderung nach zweitem Sonderermittler für Niedersachsen

Auch in Niedersachsen werden inzwischen Forderungen nach einem Sonderermittler laut. So sieht der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Dirk Toepffer, dringenden Bedarf für einen eigenen Sonderermittler. Neben der strafrechtlichen Aufarbeitung sei eine unabhängige Instanz wegen des offensichtlichen Behördenversagens nötig. "Wir haben einen Skandal, der zwei Bundesländer betrifft. Auf der einen Seite haben wir offensichtlich zu 99 Prozent Polizeiversagen, auf unserer Seite haben wir zu 99 Prozent offensichtliches Versagen der Jugendbehörde." Eine Entscheidung müsse auf Kreistagsebene getroffen werden.

Schwere Versäumnisse bei verschiedenen Behörden

Das Jugendamt hatte dem arbeitslosen Dauercamper im Mai 2016 auf Wunsch der Mutter die Pflegschaft für ein heute achtjähriges Mädchen übertragen. Die Ermittler gehen nach derzeitigem Kenntnisstand davon aus, dass der 56-Jährige gemeinsam mit einem Komplizen Kinder und Jugendliche auf einem Campingplatz in Lügde, nahe der niedersächsischen Landesgrenze, sexuell missbrauchte und die Taten filmte. Dabei soll er sein Pflegekind, ein kleines Mädchen, eingesetzt haben, um andere Kinder anzulocken. Bisher sind 35 Opfer bekannt. 16 Verdachtsfälle werden noch überprüft. In dem Missbrauchsfall ist es bisher auf verschiedensten Ebenen zu schweren Versäumnisse gekommen. Unter anderem sollen Hinweise auf eine mögliche Pädophilie des Hauptverdächtigen nicht ernst genommen worden sein.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 22.03.2019 | 14:30 Uhr

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