Stand: 12.07.2019 20:46 Uhr

Lügde-Prozess: Achtjährige belastet Angeklagte

Ein achtjähriges Opfer hat die beiden Angeklagten im Lügde-Prozess in Detmold erneut belastet.

Im Prozess um den massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde nahe der Grenze zu Niedersachsen hat eine zentrale Zeugin - ein achtjähriges Mädchen - ihre belastenden Aussagen vor dem Landgericht Detmold bekräftigt. Die frühere Pflegetochter des Angeklagten Andreas V. habe bestätigt, dass alle ihre Angaben gegenüber der Polizei bei den Ermittlungen richtig seien. Das schilderte ihr Anwalt Cornelius Pietsch nach der "kindgerecht verlaufenen" Befragung unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Freitag.

Angeklagte bei Aussage nicht anwesend

Die heute Achtjährige hatte vom Frühjahr 2016 an etwa zweieinhalb Jahre in der Camping-Unterkunft von Andreas V. im nordrhein-westfälischen Lügde gelebt. Ihr soll besonders schweres Leid zugefügt worden sein. Den Ermittlungen zufolge war sie in mehr als hundert Fällen sexuell missbraucht worden. Das Mädchen werde in einer Einrichtung betreut, später eine Therapie beginnen, sei aber noch nicht so weit, "über die Dinge zu sprechen", sagte Pietsch. "Ihre Sprachlosigkeit spricht Bände." Das Kind war erst fünf Jahre alt, als die Übergriffe begannen. Um keine erneute Traumatisierung zu riskieren, wurden die Angeklagten vor der Befragung des Mädchens aus dem Saal entfernt.

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Erschütternde Mails

Am Freitag las die Vorsitzende Richterin Anke Grudda E-Mails aus den Jahren 2012 und 2013 vor. Sie waren auf einer Festplatte von Andreas V. gefunden worden. Sie belegen, wie sich der Angeklagte das Vertrauen seiner Opfer erschlich: Mal versprach er Geschenke wie ein Handy oder ein Notebook, dann bat er, doch mal eine Freundin mitzubringen. Er sprach die Mädchen mit "Schatz" oder "mein Kind" an. In den Mails nannten die Kinder ihn "Papa", "Addi" oder "Papa-Bär". Ein Kind schrieb, sie habe ihn lieb, aber: "Ich möchte nicht, dass du bei mir rumfummelst." Zwei Mädchen, die eigentlich aussagen wollten, brachten die Kraft dazu doch nicht auf, wie deren Anwältin erklärte. Es falle den Kindern bis heute sehr schwer, über die Ereignisse zu sprechen. Sie schämten sich, würden von Ekelgefühlen und Alpträumen geplagt. Das Verfahren wird in zwei Wochen fortgesetzt. 

Geständnis zu Prozessbeginn

Der Hauptangeklagte Andreas V. war vom Landkreis Hameln als Pflegevater eingesetzt worden - das soll auf Wunsch der überforderten Mutter geschehen sein. Dem 56-jährigen Andreas V. und dem Mitangeklagten Mario S. wird jahrelanger, teilweise schwerer sexueller Missbrauch von 34 Kindern und Jugendlichen auf dem Campingplatz und in der Wohnung von Mario S. in Steinheim vorgeworfen. Beide Männer hatten zu Prozessbeginn vor zwei Wochen ein Geständnis abgelegt. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.07.2019 | 17:00 Uhr

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